Schmetterlingsfamilien der Nachtfalter

Als Nachtfalter werden die Vertreter der Großschmetterlinge bezeichnet, die nicht zu den Tagfaltern gehören. Allerdings sind entgegen dem Namen nicht alle Nachtfalter auch tatsächlich nachtaktiv. So fliegen beispielsweise die Widderchen nur bei Sonnenschein. Die meisten Nachtfalter zeichnen sich durch eine unscheinbare, düstere Färbung aus, durch die sie bei der Ruhe tagsüber gut getarnt sind. Viele Arten ahmen mit ihrer Flügelfärbung den Untergrund, z.B. Baumrinde oder trockene Blätter nach. In der Umgangssprache werden sie bisweilen auch als Motten bezeichnet. Trotzdem gehören die buntesten Schmetterlinge zu den Nachtschmetterlingen. Keiner der einheimischen Tagfalter trägt Rot, Gelb, Brau, Schwarz, Weiß und Blau so frech und dabei harmonisch nebeneinandergestellt und ineinander verwirkt wie es bei vielen Bären anzutreffen ist.

Im täglichen Leben nehmen die Nachtfalter den eindeutig größten Raum ein. Rund 75% der in Mitteleuropa lebenden Arten gehören zu den Nachtfaltern. Mehr als 90% der schädlichen Schmetterlingsarten gehören zu den Nachtfaltern.

Zoologisch betrachtet stellen Nachtfalter allerdings keine Einheit dar. Die Arten sind nicht alle direkt miteinander verwandt, sondern im Gegenteil sind beispielsweise die Spanner und Sichelflügler relativ nahe mit den Tagfaltern verwandt. Die Gruppe der Nachtfalter definiert sich somit einzig dadurch, das es keine Tagfalter sind.

 

Arten der Familie Schwärmer (Sphingidae)

Die Falter aus der Familie der Schwärmer sind klein bis sehr groß und erreichen Flügelspannweiten von 10 bis 200 Millimetern. Diein Europa vorkommenden Arten weisen eine Spannweite von 36 bis 135 Millimetern auf. Ihr Körper ist sehr robust und breit. Ihre Vorderflügel sind etwa zwei bis drei mal länger als breit und haben eine charakteristische, fast dreieckige, langgestreckte Form und sind sehr schnittig gebaut. Die Hinterflügel sind in etwa gleich breit wie die Vorderflügel, aber deutlich kürzer. Sie sind meist doppelt so lang wie breit und in der Regel heller gefärbt als die Vorderflügel oder weisen eine bunte Färbung auf. Es gibt einige Arten, bei denen auf den Hinterflügeln Augenflecken gezeichnet sind. Einige Arten weisen eine nur sehr lose Flügelbeschuppung auf, weswegen sie an manchen Stellen schon bald nach dem Schlupf transparente Bereiche aufweisen. Die Vorderflügel haben 11 Flügeladern mit einer Analader (1b). Die Hinterflügel haben 9 Adern mit zwei Analadern (1a und 1b).

Schwärmer haben große, nackte Superpositionsaugen als Facettenaugen. Diese ermöglichen ihnen ein sehr gutes Sehen bei Dunkelheit. Darüber hinaus besitzen die Augen ein Retinatracheen-Tapetum, dass das Licht im Auge nochmal reflektiert und die Lichtstärke erneut erhöht. Dadurch wird beim Anflug auf eine Lichtquelle das Licht in den Augen so reflektiert, dass man es als "Glühen" erkennen kann.

Die Raupen können entsprechend der Größe der jeweiligen Arten sehr groß werden. Sie sind unbehaart und haben neben den Thorakalbeinen alle vier Bauchbeinpaare und den Nachschieber ausgebildet. Das eindeutige Bestimmungsmerkmal ist ein Analhorn am elften Körpersegment. Dieses kann manchmal aber auch nur ansatzweise vorhanden sein. Die Raupen mancher Arten haben Augenflecken, die sie kombiniert mit dem Aufrichten des Oberkörpers bei Störung präsentieren. Manche Arten, wie z. B. Eumorpha labruscae imitieren mit diesem Abwehrverhalten das Aussehen von kleinen Schlangen. Die meisten Raupen sind aber in Tarnfarben gefärbt und versuchen so wenig wie möglich aufzufallen.

Die meisten Arten der Schwärmer sind nacht- oder dämmerungsaktiv. Einige wenige wie das Taubenschwänzchen sind tagaktiv. Die Arten, die entwickelte Saugrüssel haben, saugen Nektar von Blüten. Dazu landen sie etwa auf den Blüten oder fliegen dabei im charakteristischen Schwirrflug schnell von Blüte zu Blüte und verharren beim Saugen im Flug.

In Europa fliegen einige Schwärmerarten aus den südlichen, warmen Gebieten als Wanderfalter ein. Durch die hohe Fluggeschwindigkeit können sie in nur wenigen Tagen weit bis nach Nordeuropa vordringen. Eine Überwinterung überstehen sie aber nicht.

Die Verpuppung erfolgt in oder an der Erde, nur selten in Kokons.