Schmetterlingszuchten auf Reisen

Oberster Grundsatz: Weise Beschränkung! Es ist zwar nicht sinnlos, der Zucht gewöhnlicher oder weit verbreiteter Arten Mühe und Zeit zuzuwenden, jedoch rechtfertigen nur seltene und insbesondere gebietsgebundene Arten den Aufwand einer Zucht während des Reisens. Für Eierzuchten verwende man Plasteschachteln oder kleine Wassergläser (Löschpapier und etwas Holzwolle sowie zwei Glasplatten 9x12 cm werden von zu Hause mitgenommen). Viele Zuchten etwas größerer Raupen können in Beuteln aus Gaze, Leinwand oder Papier (Tüten), besser aus Cellophan, Dederon (Damenstrumpf) oder ähnlichen synthetischen Stoffen, vorgenommen werden. In diese Beutel werden die Raupen mit dem Futter eingebunden, die Pflanzenstengel in ein Wassergefäß gestellt. Häufiger Futterwechsel ist unbedingt erforderlich. Für Glaszuchten wird man überall Einkoch- oder Marmeladengläser erhalten können.

Für die Weiterzucht bis zur Verpuppung ist die Beschaffung der Futterpflanze am Heimatort oft das Problem. Es ist sinnlos, Raupen von einer Reise heimzubringen, deren Futter am Wohnplatz nicht zu erlangen ist (meist monophage Arten). Jedenfalls ist es notwendig, die Futterfrage vorher zu klären. Schwierig wird es, wenn sich Tiere zum Abreisetermin gerade im Verwandlungsstadium von der Raupe zur Puppe befinden. Freie Gespinste oder solche zwischen Blättern können mit Nadeln in einem Steckkästchen befestigt werden. Bei Arten, deren Raupen sich in der Erde verwandeln, werden die Tiere, wie man sie eben antrifft und soweit sie noch keinen Erdkokon gebildet haben, locker in Leinwandläppchen gehüllt und einzeln in Streichholzschachteln transportiert. Der Erfolg dieser Maßnahme ist jedoch zweifelhaft. Manchmal wird es empfehlenswert sein, Eier oder Raupen einem zu Hause gebliebenen Sammelfreund zuzusenden.

 

Transport

Die geschilderten Maßnahmen - Nadeln der größeren Nachtfalter, Spannen der kleineren Nacht- und Tagfalter - erfordern eine ganze Anzahl von Steckschachteln und Spannbrettern, für die in einem vernünftigen Reisegepäck verständlicherweise kein Platz sein kann. Diese Schwierigkeit lässt sich jedoch oftmals wie folgt beheben. Für jede Urlaubsfahrt sind besonders am Anfang und am Ende Ruhepunkte vorgesehen. Rechtzeitig (!) vor Beginn der Reise werden die Utensilien, die im Gepäck keinen Platz finden, in einem soliden Pappkarton, durch Holzwolle vor Stoß geschützt, als Postpaket dorthin gesandt, wo sie mutmaßlich zuerst gebraucht werden. Die gefüllten Steckschachteln und die nicht mehr benötigten Spannbretter wandern dann auf gleichem Wege zurück.

Eier werden in Tablettengläsern transportiert, die man zweckmäßigerweise mit Zellstoff verschließt. Watte darf keinesfalls verwendet werden, da schlüpfende Raupen sich in dieser leicht unlösbar verfitzen.

Raupen können in dicht schließenden Papp- oder Holzschachteln befördert werden, in die man neben weichem Futter etwas lockere Holzwolle geben kann. Äste, Rindenstücke und ähnliches vermeiden, da diese auf dem Transport die Tiere beschädigen können.

An Ästen oder Rindenstücken angesponnene Puppen befestigt man mit zwei Nadeln in einer Steckschachtel. Kokons, auch Erdkokons (z. B. Mönchseulen, Cucullia) werden in loser Fühlung in kleinen Schachteln so geschichtet, dass sie sich nicht verschieben können. Frei liegende Pupen (Schwärmer, die meisten Eulenfalter und Spanner) müssen zwischen Leinwand-, Zellstoff- oder Sphagnum-Moos-Polstern in kleiner Holz- oder Pappschachtel so verpackt werden, dass sie weder gedrückt noch beim Schütteln des Kästchens hin- und hergeworfen werden. Keinesfalls darf zum Einwickeln von frei liegenden Puppen Watte verwendet werden, da diese bei den häufigen Bewegungen des Abdomens der Puppe sehr bald zwischen die Segmente gezogen wird, wodurch die Puppe meist abstirbt.