Zucht von Schwärmern

Erlangung des Zuchtmaterials

a) durch Eiablage: Die Falter einiger Schwärmerarten sind leicht und häufig zu finden, so der Lindenschwärmer an Lindenbäumen, der Kiefernschwärmer an Nadelholzstämmen an Schneisen, Blößen und Wegen. Ebenso wird der aufmerksame Sammler gelegentlich Pappelschwärmer oder Abendpfauenauge entdecken.

Bei den Schwärmern sind die Geschlechter nach einiger Übung leicht zu trennen. Die Fühler der Männchen sind länger und dicker und führen an beiden Seiten der Längskante der Unterseite zwei Reihen meist brauner Borsten. Die Fühler der Weibchen sind kürzer und dünner, oft fast fadenförmig, die Kante der Unterseite ist meist mehr oder weniger bräunlich. Unterschiede am präparierten Material artweise feststellen!

Im Freiland gefundene Weibchen werden, in der Hoffnung und Annahme, dass eine Begattung bereits stattgefunden hat, in einer Pappschachtel oder -dose lebend mitgenommen und zu Hause in ein möglichst großes, allseitig mit rauem Papier ausgelegtes Glas gesperrt. Befruchtete Weibchen beginnen meist in der ersten Nacht mit der Eiablage, die im allgemeinen in 3 bis 4 Tagen beendet ist. Es ist stets vorteilhaft, 1 bis 2 Stengel oder Zweige der Futterpflanze beizugeben.

Leichter gelangt der angehende Züchter durch den Lichtfang in den Besitz von Weibchen, die erfahrungsgemäss fast ausnahmslos befruchtet sind. Allerdings fliegen weitaus mehr Männchen als Weibchen zur Lampe.

Die Schwärmer sind unruhig, oft wilde Flieger, so dass die Bestimmung des Geschlechtes nur möglich ist, wenn die gefangenen Tiere so lange in ein Giftglas gegeben werden, bis ihr Ungestüm gebändigt ist. Dann Falter aus dem Glas auf die Hand schütten, Geschlecht bestimmen, Weibchen einsperren, Eiablage wie oben beschrieben.

Bei jedem Züchter schlüpfen im Frühjahr einzelne Schwärmer, die, soweit es sich um Weibchen handelt, den Grundstock für eine erfolgreiche Zucht bilden können. Voraussetzung: Die Schlüpftermine müssen mit den Erscheinungszeiten im Freilande übereinstimmen, d. h. die Puppen dürfen nicht getrieben werden! Die Tiere werden in dem Anflugkasten gegen Abend im Freien an eine geeignete Stelle gebracht, am besten an alten Bäumen in Augenhöhe. Am kommenden Morgen wird in dem Kasten meist eine Kopula vorzufinden sein. Die Partner bleiben ungestört, bis sie sich getrennt haben. Ist das Männchen qualitativ einwandfrei, so wandert es in ein Tötungsglas, das Weibchen in das zur Eiablage vorbereitete Glas. Das bei den Bären geschilderte Ausbinden des Weibchens eignet sich für die lebhaften Schwärmer zwar weniger gut, ist jedoch mehrfach mit Erfolg angewendet worden.

Die Paarung der Schwärmer erfolgt in der Gefangenschaft sehr unterschiedlich. Manche Arten vollziehen die Kopula selbst in einer mittelgroßen Pappschachtel. Besser ist jedoch die Verwendung großer Kästen mit Wänden aus weicher Gaze. Oft genügt der selbst gebaute Anflugkasten, in den man nach Sperrung der Reuse das Pärchen setzt. Da viele Schwärmerarten honiglüstern und durstig sind, empfiehlt sich eine Fütterung, indem einige Zweige mit Schwärmerblüten in den Kasten gestellt werden.

Die Paarung in der Gefangenschaft ist meist leicht zu erzielen bei:

  • Ligusterschwärmer, Sphinx ligustri L.
  • Kiefernschwärmer, Sphinx pinastri L. (gelegentlich!)
  • Lindenschwärmer, Mimas tiliae L.
  • Abendpfauenauge, Smerinthus ocellatus L.
  • Pappelschwärmer, Amorpha populi L.
  • Wolfsmilchschwärmer, Celerio euphorbiae L.
  • Labkrautschwärmer, Celerio gallii Rott. (gelegentlich)
  • Mittlerer Weinschwärmer, Pergesa elpenor L.
  • Kleiner Weinschwärmer, Pergesa porcellus L. (gelegentlich)

Bei den folgenden Arten ist eine Paarung schwer oder kaum in der Gefangenschaft zu erreichen:

  • Totenkopfschwärmer, Acherontia atropos L.
  • Windenschwärmer, Herse convoivuli L. (die Kopula soll mit 10 bis 14 Tage alten Faltern möglich sein)
  • Skabiosenschwärmer, Haemorrhagia tityus L.
  • Hummelschwärmer, Haemorrhagia fuciformis L.
  • Nachtkerzenschwärmer, Proserpinus proserpina Pall.
  • Karpfenschwänzchen, Macroglossum stellatarum L.

Sehr erfolgreich ist gelegentlich der Fang der Schwärmer an Blüten, bei dem erfahrungsgemäß prozentual mehr Weibchen als beim Lichtfang zu erbeuten sind.

Als besonders geeignet haben sich folgende Pflanzen erwiesen:

  • Geißblatt (Lonicera)
  • Salbei (Salvia)
  • Ziertabak (Nicotiana)
  • Flammenblume (Phlox)
  • Seifenkraut (Saponaria)
  • Gartenpetunie (Petunia)
  • Natterkopf (Echium)
  • Gartennelken
  • Sommerflieder (Buddieja)

Der Anflug beginnt bereits in der Dämmerung, und der Fang mit dem Netz kann ohne Lampe erfolgen. Nach Eintritt der Nacht ist eine umgehängte Lampe notwendig. Weibchen ganz kurzzeitig im Tötungsglas betäuben, dann in Pappschachtel geben, zu Hause in ein Glas zur Eiablage setzen.

b) durch Raupensuche: Die Raupen einiger häufiger Schwärmerarten sind in Anzahl zu finden. Am Rande von Vorstadtgärten verrät oft der am Gehsteig liegende Kot die darüber sitzende Ligusterraupe, die jedoch in dem Blätterwald von Flieder, Liguster oder Forsythia recht schwer zu entdecken ist. Die an Wolfsmilch lebende Raupe des Wolfsmilchschwärmers hat ein so buntes Kleid, dass sie dem suchenden Auge kaum entgehen kann. In Weidenpflanzungen an Strom- und Flusstälern, an Seen und Teichen leben oft häufig die Raupen des Abendpfauenauges und Pappelschwärmers, sind jedoch, selbst erwachsen, so gut getarnt, dass man oft sehr genau suchen muss. Anhaltspunkte für die Anwesenheit von Schwärmerraupen sind die an Blättern meist deutlichen Fraßspuren (oft sind nur noch die Blattstiele vorhanden) und der große, kantige, meist schwarze Kot, der allerdings nur auf manchem Untergrund (unbewachsene Erde, Sand, Steinplatten) zu entdecken ist. Manchmal hängen Blätter, bei Weiden oft sogar Zweige, durch das Raupengewicht auffällig nach unten.

Die vorwiegend an alten Bäumen lebenden Lindenschwärmerraupen kann man gelegentlich, manchmal häufig, beim Herabkriechen an Stämmen finden. Meist sind sie blaugrün bis violett, andere gelbbraun bis braunrot gefärbt, das bei vielen Schwärmerraupen untrügliche Zeichen der durch Umfärbung erkennbaren Verpuppungsreife. Ebenso sind die in Baumkronen lebenden Kiefernschwärmerraupen beim Abbaumen zur Verpuppung einzutragen.

Die Raupen der meisten Schwärmerarten leben jedoch so versteckt, dass sie zumindest tagsüber schwer zu finden sind. So halten sich die Raupen des mittleren Weinschwärmers, des Labkrautschwärmers, des Windenschwärmers bei Tage gern nahe der Erde an der Futterpflanze oder in ihrer Nähe auf. Andere sitzen verborgen unter der niedrigen Vegetation, so die Raupen des kleinen Weinschwärmers. Die Raupen üblicherweise versteckt lebender Arten, die am Tage frei sitzend an der Futterpflanze gefunden werden, sind meist von Schlupfwespen oder Raupenfliegen angestochen.

 

Zuchtmethoden

Die Zucht der fast oder völlig erwachsenen Raupen kann in Raupenkästen oder großen Gläsern erfolgen. In letzteren hält sich das Futter länger frisch. Der leicht eintretenden Schimmelbildung ist durch öfterem Reinigen vorzubeugen.

Die Raupen der Schwärmer sitzen meist so fest am Futter, dass es zweckmäßig ist, beim Entfernen alter Futterreste und beim Reinigen der Behältnisse sie mit einem Teil der Unterlage auszuschneiden. Zwangsweise Lösung führt zu Verletzungen der Tiere, die man außerdem niemals mit der Hand fassen soll. Das Futter darf keinesfalls nass gereicht werden (an Regentagen vorher abtrocknen lassen). Ausdrücklich gewarnt sei vor dem Einstellen der Zweige oder Äste in mit Wasser gefüllte Flaschen, das viele Arten nicht vertragen.

Besondere Rücksicht ist - nicht nur bei Schwärmern - auf die Raupen zu nehmen, die sich in der Häutung befinden. Die Tiere sitzen dann meist festgesponnen an irgendeiner Unterlage und dürfen keinesfalls gestört werden. Die Zucht aus dem Ei erfolgt in kleinen Zuchtgläsern (glatten Wassergläsern), deren Boden mit Papier und einigen Strähnen Holzwolle bedeckt wird. Öffnung mit Papier und Ring verschließen. Vorteilhafter und aussichtsreicher wird die Eizucht, wenn die Möglichkeit besteht, bereits die Eier an der lebenden Pflanze einzubinden. Die 1/3 bis 1/2 erwachsenen Raupen können dann im Glas oder Kasten weitergezüchtet werden.

An Glas- oder Kastenwänden abgelegte Eier können mittels eines weichen Pinsels mit Wasser befeuchtet werden, bis sie sich von der Unterlage leicht lösen. Dann auf Löschpapier trocknen lassen.

 

Verpuppung

Die Raupen der heimischen Schwärmerarten verpuppen sich im Freiland mehr oder weniger tief in der Erde, selten an der Erdoberfläche. Bei der Zucht hat sich Erde jedoch als ungünstig erwiesen, da sie leicht schimmelt oder sich zu Klumpen ballt. Als zweckmäßig erprobt sind Torfmull (rein, ohne Düngerbeigabe!) oder Sägespäne (vorwiegend von Eiche oder Buche) bzw. ein Gemisch von Torfmull oder Sägespänen mit Sand. Die Zuchtbehältnisse werden mit dem zur Verfügung stehenden Material 10 bis 15cm hoch gleichmäßig und locker angefüllt. Für Sauberhaltung und Reinigung ist es zweckmäßig, das Material mit einem Papierbogen zu bedecken (Rand freilassen!). Die Exkremente und Futterreste können damit jederzeit leicht entfernt werden.

Die verpuppungsreifen Raupen verschwinden an den freigelassenen Rändern im Boden. Frühestens nach 14 Tagen, besser erst 3 Wochen, nachdem die letzte Raupe verschwunden ist, können die Puppen entnommen werden. Falsch ist es, im Boden wühlend, nach Puppen zu suchen. Kasten oder Glas werden so gestürzt, dass der gesamte Boden sich auf einen großen Bogen Papier vorsichtig ergießt. Nunmehr mit Hand oder Holzstab Material so verschieben, bis sämtliche Puppen gefunden sind, die ohne Druck oder Stoß für die Winterruhe in den Puppenkasten gelegt werden.

 

Überwinterung

Unsere heimischen Schwärmerarten überstehen den Winter im Puppenstadium. Bei der Zucht können die Freilandverhältnisse am besten durch den auf Seite 52 behandelten Puppenkasten ersetzt werden. Die den Zuchtbehältnissen entnommenen Puppen werden auf Leinwandläppchen (nur Leinwand nimmt die notwendige Feuchtigkeit auf!) in ein Fach des Puppenkastens gelegt und mit Leinwandläppchen zugedeckt.

Im Oktober wird der Puppenkasten an einem geschützten Platz, an dem annähernd während des ganzen Winters Freilandtemperatur herrscht, aufgestellt, z. B. Gartenhaus, Gartenlaube, gedeckter Balkon, Schuppen u. a. Vor Regen, Schnee, Sonne, Wind und Mäusen muss er geschützt sein. In frostfreien Zeiten, besonders im Frühjahr, darauf achten, dass Schale am Boden mit Wasser gefüllt ist.

Mit dem Ende der Heizperiode, also etwa im April, findet der Puppenkasten die übliche Aufstellung im Zimmer. Will man die Puppen treiben, so dass sie schon vorzeitig im März oder April schlüpfen (unter Verzicht auf Nachzucht und Anflug!), kann der Puppenkasten bereits ab Februar in geheizte Räume gebracht werden unter der Voraussetzung, dass eine starke, nicht zu kurze Frostperiode bereits auf die Puppen wirken konnte.