Weiblicher Genitalapparat der Schmetterlinge

Das Genitale des Weibchens ist einfacher gebaut als das des Männchens. Auf der Bauchseite des Abdomens liegt kurz vor dem Hinterleibende die Begattungsöffnung, Ostium bursae oder Introitus vaginae genannt. Für die Artbestimmung ist deren chitinisierte Umgebung wichtig, an der sich die Klammerorgane des Männchens verankern.

Diese Umgebung besteht aus zwei Chitinplatten. Vom Kopf her gesehen sind das die Antevaginalplatte vor und die Postvaginalplatte hinter der Begattungsöffnung. Beide werden gemeinsam als Sterigma bezeichnet. Die Legeöffnung für die Eier, der Oviporus, befindet sich bei den meisten Schmetterlingen getrennt von der Begattungsöffnung am Hinterleibende.

Schema des Kopulationsapparates des Weibchens (nach Hering)

Der Begattungsgang, der Ductus bursae, verbindet die Begattungsöffnung mit der häutigen, sackartigen Begattungstasche, der Bursa copulatrix, deren Wandung oft wichtige Dornenbildungen trägt, das Signum oder die Lamina dentata.

Für die Artbestimmung wurden früher fast ausschließlich die Kopulationsorgane der Männchen herangezogen. Neuerdings erstrecken sich die Untersuchungen auch auf die Genitalien der Weibchen, die jedoch nur bei manchen Gruppen (viele Zygaeniden und Geometriden) günstige Unterscheidungsmerkmale bieten.

Die Bedeutung des Kopulationsapparates für die Unterscheidung äußerlich ähnlicher Formen beruht darauf, dass es sich meist um komplizierte und fein gegliederte Gebilde handelt, die selbstverständlich mehr Anhaltspunkte für die Unterscheidung liefern als einfach gebaute Organe. So ist der Kopulationsappaxat in manchen Gattungen wi ebeispielsweise bei Hydroecia zu einem unentbehrlichen Hilfsmittel zur Unterscheidung der Arten geworden. Es darf aber nicht vergessen werden, dass der Kopulationsapparat genau so wie jedes andere Organ veränderlich ist und dass nicht jeder daran beobachtete Unterschied sofort als Artunterschied gedeutet werden darf.