Schmetterlinge präparieren

Das Präparieren von Schmetterlingen ist eine filigrane Arbeit, die sehr viel Geduld und Liebe zum Detail erfordert. Aber auch hier kann man sich mit dem richtigen Gerät vieles erleichtern und insbesondere Fehlschläge vermeiden.

Spannbretter
Länge einheitlich 36 bis maximal 40cm. Die Sortenbezeichnung erfolgt nach der Breite der Rinne, in die jeweils der Falterkörper passen muss.

Die Breite der Flügelauflagefläche steigt mit der Rinnenbreite:

  • 2 bis 3 mm Rinne für kleinste Tagfalter und kleinste Eulenfalter sowie für kleine Spanner
  • 3 bis 5 mm Rinne für mittelgroße Tagfalter, kleine Eulenfalter und größere Spanner
  • 6 bis 8 mm Rinne für große Tagfalter, kleine Schwärmer, mittelgroße Spinner und Eulenfalter
  • 9 bis 12mm Rinne für große Schwärmer, Spinner und Eulenfalter.

Spannbretter mit verstellbarer Rinnenbreite - die eine Auflagefläche kann in geschlitzten Blechscheiben mit Flügelmutterfeststellung verschoben werden - können der jeweiligen Faltergröße angepasst werden.

Spannbretter werden aus weichem Linden- oder Pappelholz hergestellt. Die Auflageflächen müssen von der Rinnenkante nach außen in einem Winkel von etwa 12 bis 15 Grad steigen. Der Rinnenboden ist mit einer etwa 10 mm starken Leiste aus Polystyrol, Torf oder einem anderen steckbaren Material ausgelegt, in dem Insektennadeln leicht und standsicher eingestochen werden können.

Der Sammler sollte nicht zu wenige Spannbretter besitzen: Die Falter benötigen eine lange Trockenzeit - je nach Größe und Leibesdicke 14 bis 28 Tage -, in der das Spannbrett für weitere Präparationsarbeiten nicht zur Verfügung steht.

Spannstreifen
Spannstreifen bestehen aus glasklarem Kunststoff, 3 mm, 5 mm, 6 mm, 8 mm breit. Deckstreifen in 20mm, 30mm und 50mm Breite.

Spann-Nadeln
Stahlnadeln mit Glasköpfen. An Stelle von Spann-Nadeln werden von vielen Entomologen Spannstifte aus schwarzem Stahl verwendet, ohne Kopf, etwa 12 bis 16mm lang (entsprechend dem unteren Drittel einer Insektennadel Nr. 2 oder 3). Spannstifte können nicht mit der Hand, sondern nur mit einer Spannzange benutzt werden.

Präpariernadeln
In runde Holzgriffe, etwa 4 bis 6mm stark (Pinselstiele), werden Insektennadeln Nr. l, 3 oder 5 nach Entfernung der Nadelkuppe getrieben und an der Berührungsstelle verleimt. Der Vorderteil wird mit einer Zange schwach gebogen. Als Präpariernadeln sind weiterhin sehr die einfachen gebogenen zahnärztlichen Sonden geeignet (Zahnarzt fragen!), deren Spitze man mit Schmirgelpapier noch anschleifen kann.

Pinzetten
Weiche Pinzette, vorn breit oder spitz, aus Federbandstahl, zum Anfassen feiner Teile. Vernickelte, starre Pinzetten, vorn spitz oder halbrund und schmal, zum Andrücken des Thorax und für andere feinere Greifarbeiten. Pinzettenartig angeschliffene Flachzange bei der Verwendung von Spannstiften.

Aufweichdose
Die früher übliche Käseglocke auf mit Sand gefülltem Teller wird nur noch wenig verwendet, ist aber brauchbar. Besser: Rechteckige Plastikdosen in verschiedenen Größen, 45 bis 80 mm hoch, mit gutschließendem Deckel (zum Beispiel sog. Kühlschrankdosen) werden mit einer 10 bis 20mm starken Schaumgummilage oder mit einer Schicht Torf ausgelegt. Mit Wasser tränken, Filterpapier auflegen, zur Vermeidung von Schimmelbildung einige Körnchen Paradichlorbenzol hinzugeben.

 

Technik des Spannens

Leichtes und gutes Spannen setzt zweierlei voraus:

  • Die Falter müssen spannweich sein.
  • Die Falter müssen vorschriftsmäßig genadelt sein. (Siehe Nadelungsregeln)

Bei der Anwendung von Zyankali oder Äther tritt eine Totenstarre ein, die viele Stunden andauern kann. Bei langen Exkursionen an heißen Tagen beginnen die Schmetterlinge in der Steckschachtel oder in den Tüten langsam auszutrocknen und hart zu werden. Deswegen werden alle Schmetterlinge, auch die mit der Tötungsspritze getöteten, erst gespannt, nachdem sie etwa 24 Stunden lang genadelt in der Aufweichdose gesteckt haben (kleinere Tiere etwas weniger lange).

Zur Körperbreite passendes Spannbrett wählen. Schmalen Spannstreifen auf jeder Spannbrettseite entweder am oberen Rand oder (vorteilhafter) in der Mitte des Spannbretts so feststecken, dass zwischen Streifen und Rinnenrand 2 bis 5 mm frei bleiben.

Den Falter so in die Rinne stecken, dass die Nadel gerade und genau in der Mitte sitzt und die Flügel des Falters völlig plan auf den Auflageflächen liegen. Dann werden die Flügel etwas angehoben (vorsichtig, Präpariernadel dazu unterschieben) und Beine, die beim Einstecken auf die Auflagefläche gelangten, in die Rinne an den Körper geschoben. Die Spannstreifen werden über die Flügel gelegt.

Vorerst wird der linke Spannstreifen unterhalb des Falters zwischen Daumen und Zeigefinger gefasst, wobei durch Druck und Zug nach unten die Flügel jeweils in der gewünschten Lage festgehalten werden können. Gleichzeitig werden mit der Spitze der Präpariernadel die Flügel unter dem gelockerten Streifen nach oben geschoben bis zur endgültigen Lage, wobei meist eine etappenweise Bewegung erst des Vorderflügels, dann des Hinterflügels notwendig ist, um ein Vorklaffen des letzteren zu vermeiden. Anschließend wird die rechte Seite in gleicher Weise behandelt.

Die Präpariernadel darf nur unmittelbar am Körper unterhalb einer dicken Ader eingesetzt werden und wird so gehalten, dass keinesfalls der Flügel durchstochen oder angerissen wird, sondern lediglich durch Zug die Bewegung entsteht. Die Fühler müssen parallel und gerade zum vorderen Flügelrand flach aufliegen. Dünne und glatte Fühler werden unter dem Spannstreifen entsprechend ausgerichtet. Stark gekämmte Fühler erhalten auf dem Spannstreifen mit Spann-Nadeln oder Spannstiften die erforderliche Stellung.

Bei einem richtig präparierten Falter müssen Längsachse des Körpers und Innenrand des Vorderflügels im rechten Winkel stehen. Lediglich eine kleine Überhöhung ist zulässig. Der Winkel zwischen Vorder- und Hinterflügel ergibt sich aus dem ästhetischen Empfinden. Sind die Flügel und Fühler in die endgültige Lage gebracht und sind die Spannstreifen mit Nadeln festgesteckt, wird der freiliegende Flügelteil mit Deckstreifen belegt, die falten- und zerrungsfrei mit Nadeln allseitig festgesteckt werden. In die Rinne wird unter den Hinterleib so viel Watte geschoben, dass dieser sich in der Mitte und in einer Ebene mit dem Vorderkörper befindet.

Neuerdings wird zumeist auf die Verwendung des schmalen Spannstreifens verzichtet und die Präparation allein mit breiten Deckstreifen durchgeführt. Die Deckstreifen werden in diesem Falle ebenso im Abstand von 2 bis 5 mm von der Rinne festgesteckt. Durch richtigen Zug und Druck hält der breite Streifen die Flügel am Außenrand besser und sicherer als der schmale Spannstreifen. Vorteile sind u. a.: Leichtes Einrichten der Fühler, Wegfall der durch die schmalen Streifen oft entstehenden Druckstellen, schnelleres Arbeiten. Deckstreifen zwischen Daumen und 2 bis 3 Fingern fassen, nach unten drücken, beim Hochziehen der Flügel Innenseite lüften!

Beim Spannen von Schmetterlingen darf die rechte Hand mit der Präpariernadel niemals frei geführt werden, sondern muss auf einem neben dem Spannbrett liegenden Buch oder ähnliches fest aufliegen!

Die nachfolgende Abbildung zeigt einen fertig präparierten Falter:

Die fertigen Spannbretter werden trocken und vor Licht geschützt aufbewahrt, möglichst in einem verschlossenen Schrank. Kleinere Falter trocknen in 8 bis 10, mittlere in 14 bis 18, große in 24 bis 28 Tagen (Spanndatum auf dem Deckstreifen vermerken!). Ergibt sich bei leichtem Antippen mit der Präpariernadel, dass der Leib fest und hart ist, können die Tiere abgespannt werden. Falter stets so lange wie möglich auf dem Spannbrett belassen.

Beim Abnehmen die Glaskopfnadeln durch Drehen entfernen. Beim Abnehmen der Spannstreifen vorher prüfen, ob Fühler oder Flügel an den Streifen haften. Eventuell vorsichtig mit Präpariernadel trennen. Falter langsam und gerade aus der Rinne ziehen. Spannbretter und -streifen werden für den Wiedergebrauch mit Pinzettengriff oder ähnlichem Werkzeug säuberlich geglättet.

 

Nadelungsregeln

Den Falter mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand von unten an der Brust fassen. Nadelspitze mit der rechten Hand senkrecht von oben so weit in den Thorax einstechen, dass sich 1/3 der Nadel oberhalb und 2/3 der Nadel unterhalb des Körpers befinden. Körperachse und Nadel müssen stets und allseitig einen Winkel von 90° bilden!

Nur beim Nadeln dürfen Schmetterlinge mit der Hand berührt werden! Sonst stets mit Federstahlpinzette an den Beinen oder am Körper fassen.

Sollte ein baldiges Nadeln nicht möglich sein, jeweils 3 bis 4 im Tötungsglas befindliche Falter mit dünner Watteschicht bedecken.

Bei sehr großen Fängen werden Tagfalter, aber auch kleinere Arten anderer Gruppen, mit nach oben geschlagenen Flügeln in Tüten aus Schreib- oder besser Butterbrot- bzw. Pergaminpapier gelegt. Einen entsprechenden Vorrat an Tüten verschiedener Größe sollte man bereits von zu Hause mitbringen. Die gefüllten Tüten werden durch einen eingeschnittenen Schlitz in eine Blechdose geworfen (Briefkastensystem), deren Boden mit angefeuchtetem Filz oder saftigen grünen Blättern belegt ist. Die Tiere bleiben dann weich und können am Abend bequem genadelt werden.

Bei Platzmangel in den mitgeführten Steckschachteln können eventuell auch 3 bis 5 Tagfalter übereinander auf eine Nadel gesteckt werden. Dazu sticht man eine dünne Insektennadel (Nr. 0) seitwärts durch den Thorax und schiebt den Falter nach oben. Sobald wie möglich mit einer festen Pinzette die Tiere wieder von der Nadel abdrücken und dann ordnungsgemäß nadeln.

Manche Tagfalter, besonders Bläulinge, können abends ohne Netz von Blüten und Gräsern unmittelbar mit dem Tötungsglas abgenommen werden. Auch die am Tage fliegenden Blutströpfchen (Zygaenen) lassen sich vom späten Nachmittag an leicht von Blüten und Gräsern abheben. Da Zygaenen sehr widerstandsfähig gegen Zyankali sind, die Falter an den Fühlern fassen und mittels Tötungsspritze von unten etwas Gift in den Thorax spritzen und sofort nadeln.

Viele Schmetterlingsarten, besonders die Bläulinge, schlagen im Tötungsglas unmittelbar vor der durch das Gift bewirkten Starre die Flügel nach unten zusammen. Solche Tiere müssen sofort umgeblasen werden; denn bereits nach 30 bis 60 Sekunden ist die Starre und damit die absonderliche Lage endgültig. Dazu wird die Pinzette im Tötungsglas vorsichtig zwischen die Flügel gebracht. Beinpaare, Leib oder Brust mit ihr gefasst, der Falter herausgenommen und gegen die nach unten geklappten Flügel geblasen.

Meist klappen sie wieder nach oben und das Tier kann in das Tötungsglas zurückgegeben werden. - Ist das Umblasen nicht mehr möglich, kann man das Tier eintüten. Es hilft aber auch folgende Einrichtung: Durch ein Korkplättchen von 4 bis 6 mm Stärke werden zwei dünne Insektennadeln (Nr. 0) in Längsrichtung gleichmäßig durchgeführt. Die hervorstehenden Nadelspitzen werden von der Seite in den Thorax des umgeschlagenen Falter gestochen, der dann ohne Schwierigkeiten normal genadelt werden kann.