Die wirtschaftliche Bedeutung der einheimischen Schmetterlinge liegt allein auf der negativen Seite, auf dem Schaden, den viele von ihnen verursachen. Eine dem Menschen unmittelbar nützliche Falterart ist aus den Gebieten Mitteleuropas nicht zu verzeichnen. Als indirekter Nutzen ist jedoch die in reichem Maße durch Tag- und Nachtfalter erfolgende Blütenbestäubung zu werten. Dem Laien sind meist nur zwei schädliche Schmetterlingsarten bekannt, nämlich der Kohlweißling und die Nonne, deren Raupen immer wieder einmal in verheerender Masse auftreten. Der Fachmann rechnet in unserem Gebiet mit knapp 45 Arten schädlicher Großschmetterlinge, denen er regelmäßig oder gelegentlich besondere Aufmerksamkeit zuwenden muss. In der Fachliteratur werden fast 70 Arten als schädlich angeführt. Diese Zuordnung verdient ein guter Teil von ihnen jedoch nicht. Es ist notwendig, zwei Gruppen zu unterscheiden: - Zur ersten Gruppe gehören die Arten, die in meist längeren zeitlichen Abständen in ausgedehnten Gebieten zu einer Massenvermehrung gelangen und dabei einen beachtlichen wirtschaftlichen Schaden anrichten, so dass prinzipielle Maßnahmen erforderlich werden: Echte Schädlinge (Kohlweißling, Nonne, Goldafter, Ringelspinner, Forleule, Kiefernspinner, Kiefernspanner, Frostspanner und andere).
- Die zweite Gruppe umfasst Arten, die gelegentlich in den unterschiedlichsten Gebieten so zahlreich auftreten - meist in kleinerem Areal oder in besonders geeigneten Biotopen -, dass ein merklicher wirtschaftlicher Schaden entsteht, für dessen Abstellung jedoch im allgemeinen kleine, von den jeweiligen örtlichen Gegebenheiten abhängige Eingriffe genügen: Gelegenheitsschädlinge (Baumweißling, Streckfuß, Großer Gabelschwanz, Hornissenschwärmer, Blaukopf und andere).
In der nachfolgenden Liste sind noch weitere Arten verzeichnet. Es sind Arten, die auf Grund einer Überlieferung oder einer unzulässigen Verallgemeinerung mehr oder weniger zu Unrecht als Schädlinge bezeichnet werden (zweifelhafte Schädlinge). Es mag unbestritten sein, dass manche dieser Arten in irgendeinem Gebiete einmal, an verschiedenen Plätzen vielleicht sogar wiederholt Schaden verursacht hat. Allein wir können nur solche Arten als Schädlinge bezeichnen, die das Gedeihen der Kulturpflanzen entscheidend einschränken oder diese sogar vernichten, so dass dem Menschen ein bedeutender wirtschaftlicher Verlust entsteht. Die einzelnen Arten der Liste sind wie folgt markiert: - Die in unregelmäßigen Zeitabständen stark schädigend auftretenden Arten tragen zwei Sterne ** (echte Schädlinge).
- Die gelegentlich schädlich werdenden Arten tragen einen Stern * (Gelegenheitsschädlinge).
- Arten, die in der Literatur zwar als Schädlinge bezeichnet werden, jedoch seit Jahrzehnten als solche nicht mehr aufgetreten sind oder deren Schädlichkeit auf Grund vorübergehender, lokaler Ereignisse zu Unrecht verallgemeinert wurde, tragen keinen Stern (Schädlichkeit zweifelhaft).
Tagfalter * Aporia crataegi L., Baumweißling Vor Einführung einer gezielten Schädlingsbekämpfung trat die Art in mehrjährigen Intervallen in Obstanlagen in Masse auf. Durch die Raupen entstanden Fraßschäden. In den letzten Jahrzehnten erschien die Art nur noch höchst selten und dann nur an eng begrenzten Plätzen als Schädling. ** Pieris brassicae L., Großer Kohlweißling Die gesellig lebenden Raupen treten in Jahren mit günstiger Witterung (warm und trocken, längere Schönwetterperioden in 7 und 8) als Großschädlinge auf Kohlfeldern auf. ** Pieris rapae L., Kleiner Kohlweißling Die meist einzeln an den inneren Blättern oder unter den Deckblättern von Kohl lebenden Raupen richten manchmal verheerende Fraßschäden an. Im Süden des Gebietes häufiger als der Große Kohlweißling. Spinner, Schwärmer, Bohrer * Dasychira pudibunda L., Streckfuß, Rotschwanz Im Abstand von meist einer Reihe von Jahren kommt die Art in reinen Buchenwäldern zu Massenvermehrungen. Der in 8 bis 10 sich ergebende Kahlfraß fällt in das Ende der Vegetationsperiode und wirkt sich daher forstwirtschaftlich nicht so bedeutungsvoll aus (Zuwachs- und Mastverlust). Die Massenvermehrung ist meist nach l bis 2 Jahren auch ohne menschliche Eingriffe beendet. * Orgyia antiqua L., Bürstenbinder, SchlehenspinnerDie Art ist einige Male als Schädling in Fichtenbeständen aufgetreten. * Stilpnotia salicis L., Pappelspinner Nach meist mehrjähriger Pause tritt in günstigen Biotopen eine Massenvermehrung ein, durch die in Pappel- und Weidenkulturen, besonders in Pappelalleen, Kahlfraß entsteht. * Lymantria dispar L., SchwammspinnerRaupen treten in Obstanlagen, Gärten, jedoch auch in Laubwäldern, in Linden-, Eichen- und Pappelalleen u. a. oft schädlich bis zu völligem Kahlfraß auf. In manchen Gebieten ist die Art in den letzten Jahrzehnten merklich zurückgegangen und hat kaum noch Schaden angerichtet (zum Beispiel in Thüringen). ** Lymantria monacha L., Nonne Gefährlichster Schädling der Nadelwälder, besonders der Fichtenbestände. Massenvermehrungen erfolgen im Abstand von wenigen Jahren bis zu einigen Jahrzehnten vorwiegend in Fichtenbeständen. ** Euproctis chrysorrhoea L., Goldafter In Obstanlagen, Gärten und an Landstraßen mit Obstbäumen sowie in Eichenwäldern verursachen die Raupen oft völligen Kahlfraß. ** Thaumetopoea processionea L., Eichenprozessionsspinner In mehr oder weniger langen Intervallen erscheint in Eichenwäldern die Art in Masse. Infolge der entzündlichen Wirkung der Raupenhaare und Puppengespinste gefürchteter Schädling. ** Thaumetopoea pinivora Tr., Kiefernprozessionsspinner In den Gebieten östlich der Elbe tritt in langjährigen Abständen vorwiegend in trockenen Kiefernwäldern Massenvermehrung ein. Die Art ist ebenso gefürchtet wie Th. processionea. Besonders die Haare der Raupen üben stark entzündliche Wirkung aus. ** Malocosoma neustria L., Ringelspinner Besonders im Flachland treten die Raupen sehr oft in Obstanlagen, Gärten und an Landstraßen mit Obstbäumen in großer Menge auf und erzeugen gelegentlich Kahlfraß. ** Dendrolimus pini L., Kiefernspinner Vor der Jahrhundertwende trat die Art oft als verheerender Schädling auf. Seitdem erscheint der Kiefernspinner infolge der forstlichen Maßnahmen nur noch in größeren Zeitabständen, dann allerdings als schwerer Schädling, besonders in den Kiefernwäldern der östlichen und mittleren Gebiete. * Dicranura vinula L., Großer Gabelschwanz In Zuchtanlagen für Pappeln gelegentlich sehr häufig und dadurch lokal schädlich. * Zeuzera pyrina L., Blausieb Die gern in jungen Stämmen oder armdicken Ästen lebenden Raupen haben gelegentlich in Baumschulen, Obstanlagen und Gärten durch gehäuftes Auftreten Schäden verursacht. In den meisten Gebieten tritt die Art vereinzelt auf. * Hepialus humuli L., Hopfenspinner In Hopfenanbaugebieten treten die an den Wurzeln lebenden Raupen manchmal in Menge auf und bringen die Pflanzen zum Kümmern oder Verwelken. * Aegeria apiformis CL, Hornissenschwärmer Die zwischen Rinde und Holz lebende Raupe richtet gelegentlich Schaden an in Stämmen, besonders der Schwarzpappel und in Pappelanlagen. * Cossus cossus L., Weidenbohrer In Pappelkulturen, Pappelalleen, Kopfweidenbeständen und auch an alten, einzeln stehenden Bäumen richten die Raupen manchmal erheblichen Schaden an. Die Weibchen bevorzugen bei der Eiablage Stämme, die bereits befallen sind. * Bembecia hylaeiformis Lasp., Himbeerglasflügler In Himbeerkulturen können die im untersten Teil der Ruten lebenden Raupen Schaden anrichten. Sie werden jedoch meist als Urheber nicht erkannt. * Synanthedon tipuliformis CL, Johannisbeerglasflügler Die Raupen leben vorwiegend im Mark der Zweige von Johannisbeeren, seltener Stachelbeeren. Die Art ist häufig, jedoch wird der durch Zurückbleiben der Triebe oder Abwelken der Äste entstehende Schaden zumeist anderen Ursachen zugeschrieben. Eulenfalter * Euxoa aquilina Schiff., Getreideeule * Euxoa tritici L., Weizeneule Euxoa aquilina, früher als Form von Euxoa tritici angesehen, ist noch nicht lange als eigene An bekannt. Angaben aus zurückliegenden Zeiten sind deswegen nicht exakt deutbar. Es ist anzunehmen, dass die an den Wurzeln lebenden Raupen beider Arten gelegentlich in Getreide- und Kartoffelfeldern, aquilina besonders in Weizenfeldern schädlich werden. * Agrotis ypsilon Rott, Ypsiloneule Die an Wurzeln lebenden Raupen treten manchmal in Gemüsefeldern und Gärten sowie in Zuckerrübenfeldern schädlich auf. ** Agrotis segetis Hb., Saateule Gefürchteter Feldschädling. Die vorwiegend an den Wurzeln lebenden Raupen verursachen immer wieder im Feldbau (Getreide, Raps, Kartoffeln, Kohl, Rüben) sowie im Gartenbau (Gemüse, Salat, Erbsen u.a.) erhebliche Schäden. Gelegentlich in Fichten-, Kiefern- und Lärchensaaten schädlich. ** Agrotis vestigialis Rott., Kiefernsaateule Die Raupen, die u. a. die Wurzeln und unteren Baumteile in Kiefernsaaten fressen, haben dadurch gelegentlich in den Kiefernkulturen im Norden und Nordosten des Gebietes Schaden angerichtet. * Agrotis exclamationis L., Gemeine Graseule Die an den Wurzeln lebenden Raupen richten manchmal im Gartenbau (Gemüse), seltener im Feldbau beachtlichen Schaden an. ** Barathra brassicae L., Kohleule Gefürchteter Schädling. Die Raupen treten nicht nur in Kohlfeldern, sondern auch an Raps, Zuckerrüben, Tabak u. a. Kultur- und Gartenpflanzen oft verheerend auf. Gern in Gewächshäusern! * Polia oleracea L., Gemüseeule Die Raupen verursachen in manchen Jahren im feldmäßigen Gemüsebau sowie im Gartenbau an vielen Kulturpflanzen bemerkenswerten Schaden. * Polia pisi L., Erbseneule Im Garten- und Feldbau treten die Raupen gelegentlich in Masse auf und richten an den verschiedensten Kulturpflanzen Schaden an. * Cerapteryx graminis L., Dreizack-Graseule Die Raupen leben an Graswurzeln. Sie haben im Norden des Gebietes schon oft Schäden auf Wiesen und Grünlandflächen angerichtet. * Parastichtis basilinea F., Queckeneule Die an Gräsern lebenden Raupen können in Getreidefeldern schädlich werden, da sie auch unreife Roggen- und Weizenkörner fressen. Die Art scheint in vergangenen Zeiten wesentlich häufiger gewesen zu sein als heute. * Parastichtis secalis L., Getreidewurzeleule Gelegentlich werden die an Wurzeln von Gräsern lebenden Raupen bei Massenvermehrung in Getreidefeldern schädlich (Weißährigkeit). ** Panolis flammea Schiff., Forleule, Kieferneule Im Norden und Nordosten sowie in den mittleren Regionen des Gebietes treten die Raupen in Kiefernwäldern auf Sandböden in mehr oder weniger großen zeitlichen Abständen verheerend auf. * Earias chlorana L., Weidenkahneule Die in zusammengesponnenen Zweigspitzen (Endtrieben) von Weiden lebenden Raupen verursachen gelegentlich Kahlfraß in Weidenkulturen. ** Phytometra gamma L., Gamma-Eule Die Raupen treten gelegentlich schädlich auf, besonders auf Klee-, Kohl-, Flachs-, Kartoffel- und Erbsenfeldern sowie Salatbeeten. Spanner ** Operophtera brumata L., Frostspanner Im Obstbau, besonders an Apfel- und Birnenbäumen, einer der wichtigsten Schädlinge. Die fast überall und meist in jedem Jahre zahlreich auftretenden Raupen leben vorwiegend an Ast- und Triebspitzen, wo sie Blätter, Blüten oder Fruchtstände zusammenspinnen. * Chlorociystis rectangulata L. Den vorwiegend in Apfelblüten fressenden Raupen dürfte als Schädlingen eine größere Bedeutung zukommen, als bisher erkannt worden ist. Abraxas grossulariata L., Stachelbeerspanner Es steht außer allem Zweifel, dass in früheren Zeiten die Raupen des Stachelbeerspanners in Gärten an Ribesbüschen häufig schädlich aufgetreten sind. In den letzten Jahren, vielleicht sogar seit 5 Jahrzehnten, ist die Art in den meisten Gebieten verschwunden oder sehr selten geworden. Die Raupen werden oft mit den Larven der Gelben Stachelbeerblattwespe (Nematus ribesii Scop.) verwechselt. * Erannis defoliaria CL, Großer Frostspanner Die Raupen verursachen gelegentlich an Laubhölzern, besonders an Obstbäumen und an Eichen, Fraßschäden. Die Art scheint früher häufiger gewesen zu sein. ** Bupalus piniarius L., Kiefernspanner Gefürchteter Schädling. Die Art tritt in mehr oder weniger langen Zeitabständen in Kieferngebieten massenhaft auf. Der Raupenfraß verursacht ganz erhebliche Schäden. |