Sammeltechnik auf Reisen

Reisen werden im allgemeinen vor Antritt genau geplant. Der Schmetterlingsjäger muss in diese Planung unbedingt die Falter mit einbeziehen. Den Faunenverzeichnissen des zu bereisenden Gebietes oder auch einer Nachbarlandschaft, wie sie in der Fachliteratur zahlreich zu finden sind, kann er ungefähr entnehmen, welche Arten, Rassen und Formen dort vorkommen. Meist sind in der Literatur auch die Flugzeiten angegeben, und es finden sich oft auch noch genaue Hinweise über die Flugplätze und den Weg zu ihnen. Außerdem ersieht der Schmetterlingssammler aus solchen Unterlagen, welche Arten für ihn von untergeordnetem Interesse sind, da sie auch in seinem Heimatgebiet auftreten. Eine derartige Vorbereitung mindert die Reize einer solchen Sammelfahrt keineswegs, sondern erhöht eher die Vorfreude. Erfahrungsgemäß überwiegen dann dennoch die Überraschungen.

 

Fang- und Sammelgeräte

Die erforderlichen Geräte, die auf einer Reise mitzuführen sind, richten sich nach dem jeweiligen Vorhaben, wobei Dauer des Unternehmens, Unterkunftsverhältnisse, Platz auf dem Transport und Spezialinteressen zu berücksichtigen sind. Die Auswahl bleibt jedem überlassen. Unbedingt erforderlich ist ein zweiter Netzbeutel, um bei starken Beschädigungen, wie sie häufig vorkommen, sofort wechseln zu können. Besteht Aussicht auf große Fänge, empfiehlt es sich, zwei bis drei Tötungsspritzen vorzusehen. Das für die Nachfüllung erforderliche Ammoniakwasser (Salmiakgeist) wird am sichersten in kleinen Fläschchen mit Gummistopfen transportiert, aus denen es ohne Öffnen der Flasche mit der Spritze herausgezogen werden kann (gebrauchte sog. Durchstich-Ampullen; Arzt fragen!). Tüten, möglichst aus transparentem Papier, müssen zu Hause in entsprechender Größe und Anzahl vorbereitet werden. Wer auf Reisen ernsthaft Lichtfang betreiben will, dem aussichtsreichsten Verfahren zur Erzielung großer Nachtfalterausbeuten, der nehme eine Ultra-Vitalux-, UV-de-luxe- oder andere Quecksilberdampflampe mit, 100 bis 300 Watt, die in eine Normalfassung passt. Gelegenheit, eine solche Lichtquelle anzuschließen, wird sich an vielen günstigen Plätzen ergeben.

 

Fang am Tage

Alle größeren Tagfalter sollten auf Reisen eingetütet werden. Bei zahlenmäßig geringen Fängen kann dies erfolgen, sobald die Tiere im Giftglas oder durch die Tötungsspritze getötet sind. Letzteres ist besser, da die im Giftglas auftretenden Muskelverzerrungen, die gelegentlich mit in die Tüte übernommen werden, bei Behandlung mit der Tötungsspritze nicht auftreten. Bei großen Fängen empfiehlt es sich, vorerst drei bis fünf Tiere seitwärts zu nadeln (Seite 23) und das Eintüten in Ruhe im Quartier vorzunehmen. Wichtig ist, dass die Falter mit nach oben geklappten Flügeln in die Tüte gelegt werden. Die Flügel-Oberseite ist auf diese Weise geschützt, falls doch einmal ein Falter innerhalb der Tüte nicht festliegen sollte. Auch die Thoraxbehaarung wird dabei geschützt.

Das trifft natürlich auch auf alle anderen Tiere zu, nicht nur auf die großen Tagfalter. Unterwegs beim Sammeln sollte deshalb jeder Schmetterling, der im Tötungsglas die Flügel nach unten zusammenschlägt, sofort mit leichtem Pinzettendruck auf die Flügelwurzel umgedreht werden. Das muss geschehen, bevor die Falter starr werden, also unmittelbar nach dem letzten Zucken im Giftglas. Dieses Umdrehen der Flügel sollte auch dann vorgenommen werden, wenn die Falter massenhaft fliegen, etwa auf Luzernefeldern oder an feuchten Stellen am Wege (Bläulinge!). Die Qualität der gesammelten Falter hat den Vorrang vor der Quantität!

Kleine Tagfalter, nämlich alle Bläulinge und Dickkopffalter, sowie alle seltenen oder aberrativen größeren Tagfalter, ferner alle Bären, Spinner, Eulen und Spanner, wie man sie beim Tagfang immer wieder mit erbeutet, müssen sofort nach dem Töten in endgültiger Form genadelt werden. In heißen Gebieten rate ich dringend ab, für diese genadelten Tiere die üblichen Steckschachteln aus Holz oder Pappe zu verwenden, da in diesen erfahrungsgemäß die Falter schon nach wenigen Stunden fast völlig getrocknet und damit erhärtet sind. Dagegen haben sich ausgezeichnet die bekannten nierenförmigen Brotkapseln aus Aluminium bewährt, die man mit etwa 10 mm starkem grauem Filz auslegt, der jeweils nach Bedarf angefeuchtet wird, so dass die dicht schließende Dose wie eine Aufweichglocke wirkt. Sie lässt sich bequem in die Rocktasche stecken. Man beachte dabei, um Drehen an der Nadel zu vermeiden, dass die Leiber stets gleichmäßig nach unten zeigen.

Für die weitere Behandlung ist es ein wesentlicher Vorteil, wenn man genadelte Bläulinge (also auch Thecia und Chrysophanus) sowie alle Spanner in der Blechdose vorsichtig so anbläst, dass sie die Flügel breiten. Bei mit Ammoniakwasser gespritzten Tieren wird dies meist gelingen.

Beim Fang von Widderchen beachte man folgendes: Für diese Tiere ist das übliche Giftglas nicht verwendbar, da sie gegen Zyandämpfe außerordentlich widerstandsfähig sind und sich daher im Glas meist beschädigen. Bestes Verfahren: Falter bei den Fühlern fassen, Spitze der Tötungsspritze von unten vom Hinterleib aus in den Thorax stechen. Eine äußerst geringe Menge Ammoniakwasser genügt für schnelles Töten. Dann sofort nadeln! Eine weitere Methode, die sich bei einigen Sammlern bewährt hat: Insektennadeln Nr. l, die allein für diese Tiere in Frage kommen, werden zu % ihrer Länge in Nikotinsaft (ausgelaugte Zigaretten- oder Zigarrenreste) getaucht, möglichst mehrmals. Der Saft trocknet an der Nadel ein. Widderchen sind gegen Nikotin sehr empfindlich. Somit kann man an den Fühlern gefasste Tiere mit derartig behandelten Nadeln sofort aufspießen. Sie sind in kurzer Zeit leblos.

Für den Widderchen-Fang eignen sich besonders die späten Nachmittagsstunden. Die Tiere sitzen dann ruhig auf Disteln, Skabiosen, Flockenblumen und anderen Blüten, oft in sehr großer Anzahl vereint, und der Sammler kann sich gründlich aussuchen, was er mitzunehmen gedenkt. Bei großen Fängen ist es zweckmäßig, die Tötungsspritze an einer langen Bindfadenschlinge um den Hals und die Steckschachtel mit den eingesteckten Insektennadeln unter dem Arm zu tragen.

Widderchen lassen sich gut aufweichen und leicht präparieren, so dass diese Arbeit in Ruhe im Winter vorgenommen werden kann.

 

Licht- und Köderfang

In unbekannten Gebieten kommt es tagsüber darauf an, geeignete Örtlichkeiten für den Licht- und Köderfang auszukundschaften. Nach Süden geneigte Täler, Hänge und Felswände versprechen den meisten Erfolg. Dazu eine bewährte Richtlinie: Wo viel wächst (nämlich viel verschiedene Arten niedriger Pflanzen!), fliegt auch viel! Für den Lichtfang, soweit man auf eine Stromquelle angewiesen ist, gilt es, außerhalb von Ortschaften liegende, einsame Häuser ausfindig zu machen. Bei freundlicher Darstellung des Vorhabens wird man meist nicht nur Duldung, sondern sogar Unterstützung linden.

Wer in einsamen, stromlosen Gebieten Lichtfang betreiben will, verwende eine Benzinhochdrucklampe oder - wenn möglich - eine Schwarzlichtlampe mit Akkumulator bzw. ein Notstromaggregat. Der Transport ist zwar umständlich, wird sich jedoch meist lohnen. Köderanstrich nehme man auf Reisen nur in konzentrierter, dickflüssiger Form mit und verdünne ihn vor Gebrauch. Absolut dichte Verpackung wählen (Transportrisiko!). Streichköder ist den Apfelscheibenschnüren vorzuziehen.

Bei Licht- und Köderfang auf Reisen prüfe man sorgfältig, was an Faltern zu fangen sich lohnt. Nach den Erfahrungen vieler Sammler sollte jedoch die Ausbeute stets so zusammengetragen werden, dass daraus faunistisch verwertbare Angaben gewonnen werden können. Das bedeutet in erster Linie: möglichst alle erreichbaren Arten in angemessener Anzahl mitnehmen! Viele Arten, bei denen man sich an Ort und Stelle völlig sicher glaubt, dass sich die Tiere in nichts von den heimischen Vertretern unterscheiden würden, weichen eben doch ab (in Größe, Färbung und/oder Zeichnung). Von gewöhnlichen Arten, die auch im Heimatgebiet vertreten sind, nehme man deshalb auf alle Fälle Belegstücke mit. Es ist selbstverständlich, dass die Naturschutzbestimmungen des Gastlandes streng beachtet werden müssen.

Weibchen von Arten, deren Zucht möglich erscheint (hier ist ein starker Optimismus angebracht), werden zwecks Eiablage in stets mitzuführende kleine Pappschachteln oder mit Papier ausgelegte Blechschachteln bzw. Gläschen gesperrt. In vielen Fällen ist eine Fütterung mit Zuckerwasser, das mit einem feinen Pinsel an den Rüssel gebracht wird, erforderlich. Die Beigabe eines nassen Watte- oder Zellstoffbausches ist stets günstig! Erfolgreiche Zuchten seltener südlicher Falter haben manchem Entomologen auf dem Tauschwege geholfen, eine wertvolle Sammlung aufzubauen!

In vielen Gebieten ist es bei jeder Art von Nachtfang empfehlenswert, vorher dem Gemeindevorstand bzw. der Ortspolizei oder dem zuständigen Forstbeamten von dem Vorhaben Kenntnis zu geben, um nicht gelegentlich Misstrauen zu erregen.

 

Behandlung der Fänge

Wer an seinem Reiseziel bleibt und nur in dessen nächster Umgebung fängt, kann die Etikettierung der Tiere mit Orts- und Tagesangabe bis zur Rückkehr in seinen Heimatort verschieben. Wer den Aufenthaltsort wechselt, jedoch genau Tagebuch führt, kann sich mit Datumsangabe auf dem Rand der Tüte oder auf einem kleinen Zettel an der Falternadel begnügen. In allen anderen Fällen müssen Ort und Tag auf dem Tütenrand oder auf einer Etikette an jeder Falternadel vermerkt werden. Im Hochgebirge sind Höhenangaben wichtig.

Gefüllte Tüten werden in Holzschachteln (Zigarrenschachteln) so gleichmäßig geschichtet, dass sie weder stark gedrückt werden noch sich hin- und herbewegen können. Freien Platz vor dem Abtransport mit Zellstoff ausgleichen. In Blechschachteln bildet sich besonders in warmen und feuchten Jahren oder Gebieten leicht Schimmel.

Zeitsparend ist das Verpacken der Ausbeute auf "Wattematratzen" (Insektenbriefe). Auf die aus Zellstoff oder geleimter Watte bestehenden Matratzen (zu Hause vorbereiten!) werden die getöteten Falter nebeneinander jeweils in eine kleine Grube gelegt, die vorher mit der Pinzette gedrückt wird. Funddaten auf den Umschlag schreiben. Mehrere Matratzen werden übereinander in eine genau passende Schachtel gelegt. Vor der Präparation zu Hause wird eine Matratze im ganzen unter die Aufweichglocke gebracht, damit beim Herabnehmen der Falter nicht die Beine und Fühler abbrechen.

Genadelte größere Spinner, Bären und Eulen sowie alle Schwärmer und großen Spanner werden so eng wie möglich in Steckschachteln gesteckt. Sind die Tiere nicht mit der Ammoniakwasser-Spritze getötet worden, empfiehlt es sich, das enge Nebeneinanderstecken erst vorzunehmen, wenn die Totenstarre überwunden ist (etwa nach zwanzig Stunden), da erfahrungsgemäß dann manche Arten die anfangs hochstehenden Flügel seitwärts breiten. Sehr zu empfehlen ist es, die Tiere so schief einzustecken, dass der Leib auf dem Boden aufliegt, und zwar in annähernd gerader Linie mit dem Thorax. Das erleichtert wesentlich die spätere Präparation, außerdem trocknet der Leib natürlicher ein, und in der Steckschachtel haben die empfindlichen Fühler mehr Platz. Bei mit Ammoniakwasser-Spritze getöteten Faltern lassen sich meist die auf dem Kastenboden aufliegenden Flügel des schief gesteckten Tieres mit einer gebogenen Präpariernadel ausbreiten, indem die Nadelspitze vorsichtig an der Wurzel des Hinterflügels untergeschoben wird und dann beide Flügel zugleich etwas nach vorn gedrückt werden. Derartig vorbereitete Schmetterlinge sind später durch einfaches Hochziehen der Flügel leicht zu spannen.

Besonders kleine und zarte Spanner können nach Bernd Müller wie folgt erfolgreich behandelt werden: Der Falter bleibt nur so lange im Giftglas, bis er gerade betäubt ist. Dann wird er genadelt. Durch Blasen werden die Flügel nach unten (!) zusammengeschlagen. Ein leicht gebogenes Klötzchen aus Schaumpolystyrol (5 x 10x 15 mm oder kleiner) wird an der Nadel so unter das Tier geschoben, dass die Flügel dachförmig auf ihm liegen. Der Falter kommt nun 20 Minuten in ein großes Giftglas (Nadel in den Korken stecken). In dieser Zeit tritt die Totenstarre ein. Dann Entnahme des Falters und Hochschieben des Klötzchens : Die Flügel liegen waagerecht. Das Klötzchen wird erst nach dem Aufweichen wieder abgenommen. Vorteil des Verfahrens: Flügel liegen nahezu in Spannstellung. Spritzt man den Falter nach der Betäubung mit Ammoniakwasser, kann das Klötzchen sofort in die Endlage geschoben werden.

Steckschachteln mit genadelten Faltern vertragen erst dann einen Transport, wenn die Tiere einigermaßen getrocknet sind. Anderenfalls drehen sie sich an der Nadel und beschädigen sich gegenseitig. Ist ausnahmsweise eine Vortrocknung nicht möglich, muss die Steckschachtel im Koffer oder im Rucksack so verpackt werden, dass die Leiber in jedem Falle nach unten zeigen.

Bläulinge, Dickkopffalter, Kleinbären und Flechtenbären, kleine Eulen (Gattungen Bryophila, Oligia und andere) sowie die Mehrzahl der Spannerarten sind nur dann in guter Qualität zu erhalten, wenn sie auch auf Reisen sachgemäß präpariert (gespannt) werden. Man sollte die dazu erforderlichen Geräte nicht überschätzen: bis zu zehn Spannbretter mit 3 mm Rillenbreite, zwei bis drei mit 5 mm Rillenbreite, ferner Spann- und Deckstreifen oder nur letztere allein, Spannadeln, zwei Präpariernadeln, eine Pinzette. Zum Weichhalten genügt die Blechdose mit Filzeinlage. Mehr wird nicht benötigt. Von alledem nehmen nur die Spannbretter größeren Platz in Anspruch.

Das Spannen auf Reisen unterscheidet sich nicht von der gleichen Tätigkeit am Heimatort. Das einzige Problem ist die termingerechte Trocknung, da Urlaubsdauer, Transportfrage und Spannbrettanzahl zeitliche Grenzen setzen. Günstig ist das Trocknen in der Sonne. Auf einem Fensterbrett oder Südbalkon werden die Spannbretter der prallen Sonne ausgesetzt, wobei jedoch folgende Vorsichtsmaßnahmen unbedingt erforderlich sind: Die Bretter müssen mit dunklem (nicht weißem!) Packpapier allseitig abgedeckt sein, um das Verbleichen zu verhindern und gleichzeitig Wespen und Hornissen von räuberischen Überfällen abzuhalten. Außerdem muss man sich durch einen Versuch vergewissern, dass keine Ameisen vorhanden sind, die gern solche Spannbretter anfallen. Schließlich verlangt diese Methode, dass man sich nicht zu weit und zu lange vom Ort des Trocknungsprozesses entfernt, da bei einem Gewitterguss die Ausbeute verdirbt.

Bei diesem Verfahren sind kleine Falter in zwei Tagen völlig ausgetrocknet. In diesem Zustand dürfen jedoch die Tiere, die unter zu hohem Feuchtigkeitsentzug stehen, keinesfalls abgespannt werden, da sie dann bei Aufnahme der normalen Luftfeuchtigkeit leicht die Flügel sinken lassen. Also werden diese Spannbretter noch zwei weitere Tage lang in der üblichen Zimmertemperatur auf einen Schrank, ein Regal oder etwas ähnliches gestellt. Dann kann getrost abgespannt werden.

Wer im Platz nicht beschränkt ist, lasse sich aus Sperrholz einen Spannbrettkasten bauen. Maße ergeben sich aus der Zeichnung. In den zwei Fächern dieses Kastens lassen sich bequem fünfzehn bis achtzehn Spannbretter unterbringen. Der Kasten, der durch die herunter klappbare Tür dicht schließt, kann ohne Sorge um störende Eingriffe bedenkenlos jeder Wärmequelle ausgesetzt werden und hat sich auch beim Transport noch nicht abgespannter Bretter gut bewährt. Die genannten Maße können natürlich nach Belieben geändert werden. Durch den Einbau entsprechender Holzleisten vorn und an der Rückwand lässt sich eine so feste Halterung der Spannbretter erzielen, dass der Kasten in jeder Lage transportiert werden kann.