Männlicher Genitalapparat der Schmetterlinge

Das männliche Genitale befindet sich im Inneren des Hinterleibendes. Es kann zur Kopulation teilweise herausgestreckt und danach wieder eingezogen werden. Seine Grundlage bildet ein mehr oder weniger ringförmiges Chitingebilde, dessen Rückenteil als Tegumen bezeichnet wird. Das Tegumen besitzt meist zwei gegen das Körperende gerichtete Fortsätze, einen oberen, den Uncus, und einen unteren Fortsatz, den Gnathos oder das Scaphium, die gegeneinander beweglich sind und bei der Kopulation das weibliche Hinterleibende von oben her festhalten. Der Gnathos fehlt bei vielen Arten. Bauchwärts ist das Tegumen mehr oder weniger stark verlängert. Diese Verlängerung wird als Vinculum bezeichnet. Es trägt bei den meisten Arten (jedoch nicht bei Saturniiden und Geometriden) einen körperwärts gerichteten Anhang, den Saccus.

An beiden Seiten des Tegumens sitzen große schalenförmige Klappen, die Valven, mit denen der weibliche Hinterleib bei der Begattung an beiden Seiten festgehalten wird. Die Valven tragen auf den Innenseiten verschiedenartig gestaltete Chitingebilde, die nach Bau und Lage als Clasper, Ampulla, Editum, Sacculus, Clavus bezeichnet werden.

Schematische Darstellung des Kopulationsapparates des Männchens in Ventralansicht, nach beiden Seiten aufgeklappt (nach Pierce aus Hering)

Der Außenrand der Valven trägt oft kräftige, lange Marginaldornen. Am Valvenende finden sich bei zahlreichen Arten Chitingebilde, die man Digitus und Pollex nennt. Dieses Endteil der Valven ist nicht selten charakteristisch verbreitert und heißt Cucullus, sein Außenrand trägt dann zumeist einen Kranz bzw. eine Reihe starker, nach innen gerichteter Dornen, die Corona. Valven und Uncus sind besonders wichtig für die Artunterscheidung; bei der Diagnose muss jedoch die Gesamtheit aller Bildungen des Genitalapparates beachtet werden.

Kopulationsapparat des Männchens einer Chrysopolomide in Seitenansicht. Das Abdomenende liegt rechts im Bild (nach Hering)

Zwischen den Valven, durch die Juxta gestützt, liegt der Aedoeagus, ein chitinisiertes Rohr, in dessen Innerem sich der weichhäutige Penis befindet, der bei der Begattung ausgestülpt wird. Der Penis ist oft mit Stacheln oder Zähnen besetzt, die als Cornuti bezeichnet werden und wichtig für die Artbestimmung sind. Zur Stabilisierung der Bewegungsrichtung des Aedoeagus besitzen manche Arten am Tegumen oberhalb des Aedoeagus noch ein Chitingebilde, das Transtilla genannt wird. Ein anderes Gebilde unterhalb des Aedoeagus mit der gleichen Funktion heißt Anellus. Beide können ebenfalls zu Klammerorganen umgebildet sein.