Lebenszyklus der Schmetterlinge

Schmetterlinge durchleben vier Entwicklungsstadien: Ei, Raupe, Puppe und Falter.

 

Ei

Aussehen
Wie auch die Falter selbst variieren die Eier der Schmetterlinge sehr stark in Größe, Form und Farbe. Sie reichen von flachen, schuppenartigen Gebilden bis zu den reich gemusterten Eiern vieler Bläulingarten.

Das Ei enthält neben dem Embryo sehr viel Dotter, der vom Embryo auf dem Weg zur Raupe verbraucht wird. Von außen wird das Ei durch eine feste Schale geschützt, die eine wasserdichte Wachsschicht enthält. Die Atmung erfolgt durch mikroskopisch feine Poren und durch eine etwas größere Öffnung, die Mikropyle. Diese dient nicht nur der Atmung, sondern bildet zusätzlich eine Eintrittsöffnung der Spermatozoen bei der Befruchtung. Die Umgebung der Mikropyle ist gewöhnlich besonders skulpturiert, meist in Form einer Rosette.

Die meisten Eier sind recht unscheinbar gefärbt und der Umgebung angepasst. Es gibt aber auch Arten mit auffallenden Zeichnungen und glänzenden Farben, die Fressfeinden damit bedeuten wollen, dass sie ungenießbar sind.

Eiablage
Auch die Art der Eiablage ist sehr unterschiedlich und auf die Form der Eier abgestimmt (wie auch umgekehrt). Viele Arten legen ihre Eier einzeln ab, während andere die Gelege mit einer dicken Schicht Haare bedecken, wie beispielsweise der Schwammspinner. Manche Kleinschmetterlinge wie beispielsweise der Nelkenwickler legen ihre Eier in überlappenden Reihen dachziegelartig ab, so dass die Gelege sehr flach sind. Die runden und glatten Eier des Wurzelbohrers werden vom Weibchen während des Flugs über Grasflächen ausgestreut und landen am Boden zwischen den Graswurzeln an denen die Raupen später leben und von denen sie sich ernähren. Der Ringelspinner hingegen legt seine tonnenförmigen Eier sorgfältig in regelmäßigen Reihen um Zweige, so dass sie wie ein Ring aussehen. Das Landkärtchen gibt sich bei der Eiablage besonders große Mühe: Es klebt die tonnenförmigen Eier zu kleinen Säulen aneinander, die dann an der Unterseite der Blätter der Nahrungspflanze hängen.

 

Raupe

Wie der Falter besteht auch die Raupe aus drei Teilen: Kopf, Brust und Hinterleib.

Kopf
Der Kopf ist von einer harten Kapsel umgeben und gewöhnlich gerundet, kann aber auch flach oder keilförmig sein. Meist ist der Kopf glatt. Es gibt aber auch Arten mit behaarten Köpfen. Manche Tagfalterraupen tragen sogar Dornen und Hörner. Besonders augenfällig ist auch der kräftige, beißende Kiefer. Auf der Unterlippe der Raupe befindet sich auf einem Zapfen die Öffnung der Spinndrüsen, in denen Seide in Form einer Flüssigkeit produziert wird, die nach dem Austreten an der Luft erstarrt.

Gewöhnlich besitzen die Raupen sechs Augen. Bei manchen Arten sind es aber auch weniger und bei Raupen, die ihr Leben lang im Dunklen verbringen, fehlen sie ganz. Angeordnet sind die Augen halbkreisförmig auf beiden Seiten der Kopfkapsel. Das Sehvermögen der Raupen ist schwach, es reicht gerade mal zum Unterscheiden von Hell und Dunkel. Als Ersatz sind dafür andere Sinnesorgane besser entwickelt.

Brust
Am Bruststück gibt es drei Paar gegliederte Beine, deren Länge variiert. Sie dienen meist nur zum Festhalten der Nahrung.

Hinterleib
Der Hinterleib besteht aus zehn Segmenten und trägt eine Reihe stummelförmiger Beine, meist fünf Paar, aber auch weniger. An der Sohle der Beine befinden sich Haken, mit denen die Raupe sich auf rauen Unterlagen festhalten kann. Diese Beine sind bei den Arten, die nicht direkt im Pflanzengewebe leben und deshalb nur verkümmerte Beine besitzen, für die Fortbewegung wichtig.

Brust und Hinterleib sind von Haaren bedeckt, die sehr klein und von geringer Anzahl sein können, wie beispielsweise bei den Eulenfaltern und Spannern, aber auch lang und dicht wie bei den Glucken, Bären- und Trägspinnern.

Drüsen
Einige Arten besitzen auch giftige Dornen, die beim Berühren durch einen Stich Gift in die Wunde bringen. Daneben gibt es auch eine Reihe spezialisierter Drüsen am Körper der Raupe. Die Raupe des Schwalbenschwanz (Papilio machon)besitzt beispielsweise hinter dem Kopf eine gegabelte rote Drüse, die normalerweise im Körper verborgen ist. Wird die Raupe bedroht, stülpt sie mittels Blutdruck die Gabel nach außen und verbreitet einen intensiv aromatischen, unangenehmen Geruch, der Angreifer und Parasiten abschreckt. Die Raupen der Zygaenen besitzen hingegen Giftdrüsen, deren Sekret auf der Körperoberfläche verteilt wird und Zyanid enthält. Andere Arten wie beispielsweise die Raupe des Gabelschwanz spritzen Ameisensäure gegen Angreifer. Einen völlig anderen Schutzmechanismus verwenden die Raupen der Bläulinge. Sie sondern süße, honigartige Sekrete ab, von denen Ameisen angelockt werden, die dann als Gegenleistung die Raupen vor Feinden schützen.

Ernährung
Manche Raupenarten ernähren sich von unterschiedlichen Pflanzen, während andere Arten so spezialisiert sind, dass sie lieber verhungern, wenn sie ihre Nahrungspflanze nicht finden.

Häutung
Alle Raupen häuten sich mehrfach bis sie ihre endgültige Größe erreicht haben. Der Grund liegt darin, dass die Körperoberfläche aus einer Kutikula besteht, die zwar elastisch ist, aber nicht wachsen kann. Deshalb bildet die Raupe von Zeit zu Zeit eine neue Haut, die größer ist und eingefaltet und der alten haut liegt. Zur Häutung schwillt die Raupe an, bis die alte Haut platzt und durch Muskelkontraktionen nach hinten weggeschoben werden kann.

 

Puppe

Ist die Raupe erwachsen, häutet sie sich zum letzten Mal und erreicht das Puppenstadium, in dem die Raupe zum Falter umgeformt wird. Dabei werden die Raupenorgane abgebaut oder umgeformt und zu Falterorganen umgebildet.

Die Puppe ist von einer starken und harten Körperhaut umgeben, an die die Flügel, Fühler und Beine meist fest angelegt und verbunden sind. Dadurch ist die Dreiteilung des Körpers schwer zu erkennen, da alle Teile stark miteinander verschmolzen sind. Andererseits sind aber bereits viele Organe des fertigen Falters zu erkennen; beispielsweise der Kopf mit kugeligen Augen, die Fühler und der Rüssel. Am Bruststück erkennt man auch schon die Beine und die Flügel.

Erreicht die Puppe das Entstadium ihrer Entwicklung, platzt die Puppenhaut auf und der Falter beginnt zu erscheinen. Er pumpt nun Luft, um den Körper zu vergrößern und die Puppenhaut weiter aufzureißen. Dann zeiht er den Körper komplett aus der Puppenhaut heraus und sucht sich eine Stelle zum Verweilen. Denn in die zunächst unscheinbaren, als runzelige Säckchen herunterhängende Flügel wird Blut in das Geäder gepresst, was die Flügel zu ihrer vollen Größe anschwellen lässt. Bevor der erste Flug möglich ist, müssen die noch feuchten Flügel erst einmal trocknen.

 

Falter

Der Falter startet schließlich zu seinem ersten Flug und vollendet seinen Lebenszyklus, indem er sich paart und das Weibchen Eier ablegt.

Die Lebensdauer der Falter ist sehr unterschiedlich. Sie beträgt nur einen einzigen Tag bei Sackspinnern, kann aber auch bis zu zehn Monaten dauern, wie beispielsweise beim Zitronenfalter. Falter die Nahrung aufnehmen, leben prinzipiell länger als solche, deren Mundwerkzeuge verkümmert sind. Als durchschnittliches Alter von Tagfalter kann man zwei bis drei Wochen annehmen.