Großschmetterlinge

Die Großschmetterlinge lassen sich entsprechend dem Bau ihres Flügelgeäders sowie auf Grund ihres biologischen Verhaltens und einiger anderen Merkmale in fünf Gruppen unterteilen.

Bei den meisten Arten ergibt sich die Zugehörigkeit zu einer dieser Gruppen bereits aus dem äußeren Erscheinungsbild.

Im einzelnen handelt es sich um folgende Gruppen:

 

 

Gruppe der Tagfalter

Die Gruppe der Tagfalter (Rhopalocera) besteht aus etwa 210 Arten in Mitteleuropa.

Die eigentlichen Tagfalter (Rhopalocera = Keulenhornler), vorwiegend mittelgroße Schmetterlinge, fliegen am Tage, lieben den Sonnenschein, besuchen Blüten oder saugen an feuchten Stellen oder an fließenden Baumsäften. Farbenpracht und Formschönheit treten in manigfaltiger Ausbildung und Abstufung hervor.

In der Ruhestellung sind die Flügel entweder nach oben zusammengelegt oder auch ausgebreitet. Die Fühler laufen nach der Verdickung oft in eine kurze Spitze aus.

Die spindelförmigen Raupen leben vorwiegend in zusammengesponnenen Blättern. Die Verpuppung erfolgt in einem losen Gespinst zu Gürtelpuppen.

Als unechte Tagfalter werden die Dickköpfe (Hesperiidae) bezeichnet. Es sind kleine Falter mit großem Kopf und einem gedrungenen Körper, der im Vergleich zu den kleinen Flügeln kräftig wirkt. Ihre Lebensweise entspricht denen der echten Tagfalter.

Die typische Form eines Tagfalter entspricht (hier: Pieris brassicae L.):

 

 

Gruppe der Schwärmer

Die Gruppe der Schwärmer (Sphingidae) hat etwa 20 Arten in Mitteleuropa.

Die als schnelle Flieger bekannten Schwärmer sind meist mittelgroße bis sehr große, kräftige Falter mit torpedo- oder stromlinienförmigen Körper. Die Vorderflügel sind langgestreckt und überragen die Hinterflügel deutlich.

Die Form eines typischen Schwärmers zeigt beispielsweise Celerio euphorbiae L.:

 

 

Gruppe der Spinner

Zur Gruppe der Spinner (Bombyces) werden in Mitteleuropa etwa 220 Arten gezählt, die sind in diverse Untergruppen aufteilen.

Die Familie der Bären (Arctiidae) wird zweckmäßigerweise in zwei Gruppen aufgeteilt:

  1. Kleinbären und Flechtbären, Nolinae und Lithosiinae:
    Kleine bis knapp mittelgroße, oft unscheinbare Falter mit meist gelblich, grau oder weißlich gefärbten Flügeln, die in der Ruhestellung flach übereinander gelegt oder eng um den Leib geschlagen werden. Die mit beharzten Warzen versehenen Raupen leben vorwiegend an Flechten und verwandeln sich in einem dünnen, engen Gespinst zur Raupe.
  2. Bären:
    Kleine, meist mittelgroße bis große Falter, oft lebhaft bunt gefärbt und auffallend gezeichnet. Die meisten überwintern. Die dicht behaarten Raupen leben vorwiegend an niedriger Vegetation und verwandeln sich in einem weichen, mit Haaren durchsetzten Gespinst an der Erde zu Puppen.

Ein typischer Vertreter ist der Bärenspinner (Callimorpha quadripunvtaria Poda):

Die Familie Lasiocamidae umfasst die Wollraupenspinner und Glucken. Es sind kleine bis sehr große Falter, die gelegentlich lebhaft gefärbt sind, oft mit weißem Diskoidalpunkt auf den Vorderflügeln. Die Männchen sind sehr fluglustig, während die Weibchen eher träge sind. Die Fühler der Männchen sind lang, die der Weibchen kurz oder sehr kurz zweireihig gekämmt. Die mehr oder weniger stark behaarten Raupen verwandeln sich in dichten Gespinsten oder in festen, tönnchenförmigen Kokons zu Puppen. Die Falter tragen in der Ruhestellung die Flügel eng an den Körper angelegt. Einige Arten dieser Familie sind als Schädlinge gefürchtet.

Ein typischer Vertreter der Familie ist die Glucke (Lasiocampa quercus L.):

Die Familie der Sichelflügler (Drepanidae) umfasst kleine, den Spannern ähnliche Falter. Die Vorderflügelspitze ist oft sichelförmig ausgestaltet. Die Flügel sind meist gelbbraun bis braungrau gefärbt. Die fein behaarten Raupen verwandeln sich zwischen zusammengesponnenen Blättern zu Puppen.

Ein typischer Vertreter der Familie ist der Sichelspinner (Drepana falcataria L.):

Die Widderchen (unten: Zygaena filiendulae L.) sind kleine, plumpe, am Tag fliegende Falter. Die procris-Arten fliegen gelegentlich auch in der Dämmerung oder nachts am Licht. Die Flügel sind meist lebhaft gefärbt, oft metallisch glänzend. Die Fühler sind entweder keulen- oder kolbenartig verdickt oder mit Kammzähnen besetzt.

 

 

Gruppe der Eulen

Die Gruppe der Eulenfalter (Noctuidae) umfasst in Mitteleuropa etwa 500 Arten.

Eulenfalter sind mittelgroße, vorwiegend grau gefärbte Falter, oft mit schwarzer Pfeilzeichnung auf den Vorderflügeln. Die Raupen sind meist behaart, durch Pinsel und Bürsten vielfach bizarr in Form und Farbe. Die Verpuppung erfolgt an der Erde, meist in festen Gespinsten. Die Überwinterung erfolgt im Puppenstadium.

Ein typischer Vertreter der Eulenfalter ist Agrotis pronuba L.:

Für die meisten Eulenarten typisch ist die sogenannte Eulenzeichnung.

Die zur näheren Bestimmung verwendeten Fachtermini sind im Abschnitt Fachausdrücke erläutert.

 

 

Gruppe der Spanner

Die Spanner sind klein und zart, bescheiden in Form und Farbe, fast torkelnd in der Dämmerung fliegend, niemals Aufsehen erregend. Betrachtet man die Falter jedoch unter der Lupe, so erlebt man eine Überraschung. Die Feinheit der Linien, die Mannigfaltigkeit der Zeichnung, die Abstufung und das Verfließen der Farben und eine oft pastellartige Tönung sichern den Spannern einen ebenbürtigen Platz neben den anderen Familien der Großschmetterlinge.

Die Raupen der meisten Spannerarten verpuppen sich in der Erde oder an der Erde.

Typischer Vertreter der Gruppe sind Abraxas grossulariata L.

und Cidaria variata Schiff.