Technik beim Lichtfang von Schmetterlinge

Wirklich einwandfreie Qualität der Falter lässt sich nur erzielen, wenn jeweils nur ein Tier in ein Tötungsglas gegeben wird. Ist darin der Falter gründlich betäubt, wird er auf die Hand geschüttet oder mit der Pinzette entnommen, begutachtet und bei Entsprechen in ein Sammeltötungsglas befördert. In letzterem können die Tiere nebeneinander liegend durch Zwischenfügen von Watte oder Zellstoff lagenweise geschichtet werden, bis das Glas gefüllt ist. Für den Transport muss jedenfalls jegliche Schüttelbewegung der Tiere im Glas ausgeschaltet werden.

Bei allen Lichtfängen, die unter Verwendung des Stromnetzes, also von irgendwelchen Baulichkeiten aus, erfolgen, ist aufgrund jahrelanger Erfahrung die Behandlung der Tiere mit der Tötungsspritze zu empfehlen.

Jeder gefangene Falter wird einzeln in ein Tötungsglas gegeben, in dem er bis zur Betäubung (1/2 bis 2 Minuten) bleibt. Dann wird das Tier auf der Hand untersucht und, wenn es des Mitnehmens wert ist, sofort auf dem Handteller, ohne Fingerberührung von der Seite oder von oben in den Thorax gespritzt. Nunmehr wird der getötete Falter in eine bereitstehende, flache, mit Watte ausgelegte Schachtel mit Klappdeckel (Insektenschachtel mit Torfauslage) gelegt, und zwar entweder mittels der Federstahlpinzette oder, was meist möglich ist, mittels der Tötungsspritze, an der er hängt, wobei er über der Schachtel mit dem Daumennagel vorsichtig von der Kanüle abgeschoben wird. Nach Beendigung des Lichtfanges werden die Falter genadelt und sofort in die beim Fang verwendete Schachtel gesteckt. Bei diesem Verfahren ergibt sich die beste Falterqualität und wird außerdem die Totenstarre vermieden.

Bei kleinen Schmetterlingen - die Grenze wird von der Handfertigkeit des Fängers bestimmt -, ist die Tötungsspritze nicht mehr verwendbar. Auch diese Tiere werden einzeln betäubt, dann begutachtet und in ein Sammeltötungsglas befördert, in dem lagenweise geschichtet wird.

Bei der Begutachtung der betäubten Schmetterlinge auf dem Handteller werden alle nicht einwandfreien Tiere (bei Seltenheiten Maßstabminderung!) ausgesondert, die man zweckmäßigerweise in eine Weithalsflasche schüttet, deren Entleerung nach Bedarf möglichst weit entfernt im Lichtschatten erfolgt. Bei der Begutachtung erfolgt außerdem die Aussonderung der Weibchen, von denen man zur Zucht Eiablage erhalten will.

Bei dem üblichen Lichtfang bietet ein Netz mit kurzem Stock den Vorteil besserer Handlichkeit und erhöhter Treffsicherheit. Anders liegen die Verhältnisse beim Fang vor der Quarzlampe in der oben geschilderten Anordnung. Hier ist es oft zweckmäßig, mit dem Netz auf dem beleuchteten Bodentuch weit reichen zu können, was nur durch einen langen Stock möglich ist. Im übrigen haben sich beim Lichtfang nur Netze mit hellen, besonders weißen Beuteln bewährt.

Da fast alle anfliegenden Schmetterlinge entweder sofort oder nach ein- bis zweimaligem Umkreisen der Lampe auf dem Tuch landen, ist es vorteilhafter, an Stelle des meist erfolglosen Netzschiagens in der Luft, zu warten, bis der Falter auf dem Tuche gelandet ist und den Netzbügel - Beutel nach unten -, auf dem Tuche unmittelbar vor seinen Kopf zu setzen. Im Moment des Abfliegens wird zugeschlagen. Sitzende Falter kann man mit dem vorgehaltenen Netzbügel vorsichtig antippen.

Tiere, die auf dem Tuche eine ruhige Dauerstellung beziehen - erkennbar durch die auf dem Körper zusammengeklappten Flügel -, werden unmittelbar in ein Tötungsglas befördert. Dabei hat sich ein dünnes Aluminiumblech von etwa 8 x 12cm bewährt. Das Glas wird über den Falter gestülpt, dann das Blech unterschoben, wodurch der Schmetterling ins Glas gelangt, und nunmehr Blech gegen Korkstöpsel ausgetauscht.

Bei Großfängen, besonders vor der Quarzlampe, ist es günstig, manchmal sogar unbedingt notwendig, dass zwei Personen Hand in Hand arbeiten. Man bedenke, dass man die Falter, die man sucht oder braucht, nicht aussuchen kann, wenn nicht die Masse der Tiere weggefangen wird. Dabei handelt es sich nicht nur um Schmetterlinge, sondern oft genug auch um Hautflügler (Hymenopteren), Fliegen, Wanzen (vorwiegend Wasserwanzen) und Käfer. Gelegentlich erscheinen Kleinschmetterlinge (eine Fundgrube für den Spezialisten!) in ungeheurer Menge.

Durch das Gewimmel auf dem Tuch wird alles unruhig und nervös. Kein Falter kommt zum Sitzen, da er immer wieder durch einen unruhigen Gast aufgescheucht wird. Das ist vermeidbar, wenn eine Person fängt, die Beute einzeln in Tötungsgläser befördert und letztere so weitergibt, dass der andere den Gläserinhalt versorgen kann und die leeren Gläser zurückreicht. In manch günstiger Nacht sind mehrere Tausend Insekten an meiner Quarzlampe angeflogen, wobei wir oft über 300 Schmetterlinge in einwandfreier Qualität erbeutet und versorgt haben.

Die Beobachtung des Falterjägers darf sich beim Lichtfang nicht nur auf das beleuchtete Tuch beschränken, sondern muss auch die Umgebung erfassen. Die Schmetterlinge mancher Arten fliegen zwar das Licht an, beziehen jedoch dann außerhalb des beleuchteten Tuches einen ruhigen Platz. Deswegen ist es notwendig, ab und zu die Umgebung - Boden mit niederer Vegetation, Bäume, Pfosten, Mauern und anderes - abzusuchen.

In den meisten Nächten fliegen die Schmetterlinge stoß- oder wellenweise an das Licht, wodurch Anflugpausen von wenigen Minuten bis zu einer halben Stunde entstehen können. Die Ursache dieser Erscheinung ist uns unbekannt. Der Fänger nutze die Zwischenzeiten, um die erbeuteten Tiere zu versorgen und für den nächsten Anflugstoß Vorbereitungen zu treffen.

Die Gattungen, meist sogar die einzelnen Arten, verhalten sich verschieden beim Anflug und vor der Lampe. Bei einiger Übung lernt man das Flugbild beurteilen und kann oft an diesem die Art bereits erkennen. Die Spinner, besonders die Notodontiden (Zahnspinner), landen meist sehr schnell auf dem Tuche und beziehen dort eine Ruhestellung. Ebenso verhalten sich viele Spannerarten, andere jedoch berühren kaum das Tuch, sondern umkreisen die Lampe, fliegen weit weg und kommen dann zurück. Schwärmer und die meisten Eulen sind unruhige Gäste, die schwer sesshaft werden und gern ihren Platz wechseln. Es gibt auch Arten, die man nur selten anfliegen sieht, die aber plötzlich ruhig auf dem Tuche sitzen. Dazu gehören Hoplitis milhauseri und Drymonia querna. Andere Arten kommen zur Lampe, umkreisen diese, lassen sich gelegentlich für einen Augenblick auf dem Tuche nieder, fliegen jedoch dann weg, als ob das Licht keinerlei Anziehungskraft für sie besitze. Die Kenntnis der Eigenarten und des Verhaltens erleichtert die Auswahl beim Fang erheblich.

Die Quarzlampe steigert die Beweglichkeit der Schmetterlinge, die unruhiger und nervöser sind als an anderen Lichtquellen. Das gilt besonders für die größeren Arten (Schwärmer und große Spinner), die oft auf der Leinewand in Rückenlage landen und dann die tollsten Kapriolen aufführen. Nach einiger Übung und Geschicklichkeit gelingt es fast stets, diese Tiere zu fangen, bevor sie sich den Thorax abgeschabt oder die Flügel verletzt haben.

Erfahrungsgemäß fliegen bei jeder Lichtquelle vorwiegend Männchen an. Das Geschlechterverhältnis der angelockten Falter schwankt artabhängig erheblich. Bei der Quarzlampe beträgt erfahrungsgemäß der durchschnittliche (!) Weibchenanteil 10 bis 15 Prozent und liegt damit etwas höher als bei anderen Lichtfangverfahren. Von einigen Arten habe ich bisher nur Männchen, bei anderen ausschließlich Weibchen erbeutet. Wer also Zuchtmaterial durch Lichtfänge erhalten will, der untersuche die anfliegen den Tiere genau auf ihr Geschlecht. Die Mehrzahl, rund 80 Prozent, der am Licht gefangenen Weibchen ist befruchtet.

 

Zeit- und Witterungseinflüsse beim Lichtfang

Jahreszeit
Die Unbill des Winters kann Anfang März weichen, aber sie kann uns auch noch einen Monat länger auf eine harte Probe stellen, so dass eine Terminangabe nicht möglich ist. Als Faustregel möge gelten, dass der Lichtfang zugleich mit der Blüte der Weidenkätzchen beginnen kann. Ende April, oft erst Anfang bis Mitte Mai erscheinen zahlreiche Arten am Licht. Im Juni wird der Anflug noch stärker, geht im Juli kaum zurück, lässt jedoch ab August merklich nach. Zwischen Ende Juli und Mitte August liegt ein deutlich erkennbarer Schnittpunkt, von dem an der Köderfang bessere Resultate verspricht. Zweifellos sind die im Frühjahr und Sommer fliegenden Arten mehr lichtliebend (heliophil) als die Herbsttiere. Schmetterlinge der Gattungen Conistra, Amathes und Cosmia sind erfahrungsgemäß regelrecht lichtscheu (heliophob). Auch die Ordensbänder kommen selten zur Lampe. Eine zureichende Erklärung für dieses unterschiedliche Verhalten konnte bisher nicht gefunden werden.

Tageszeit
Wenn der letzte Drosselruf verklungen ist, beginnt der Lichtfang. Noch ist es nicht Nacht, aber schon sind die ersten Schwärmer unterwegs und fliegen zur Lampe.

Das Ende einer Lichtfangnacht hängt oft von der verständlichen Müdigkeit des Fängers ab. Aber auch die Schmetterlinge haben ihre Stunde, und wer nicht ausharrt, wird manche Arten niemals zu Gesicht bekommen. Die seltene Drymonia querna erscheint kaum vor Mitternacht, stellt aber gegen l Uhr bereits wieder ihren Flug ein. Das Abendpfauenauge (Smerinthus ocellatus) ist im Gegensatz zu fast allen anderen Schwärmern ebenfalls ein später Gast, der meist erst in der 24. Stunde anfliegt. Manche Arten kommen zeitig, einige, besonders Bärenarten, bevorzugen die Stunden nach Mitternacht und andere wieder fliegen von der Dämmerung bis gegen Morgen. Hier versagt jede Regel. Im allgemeinen lässt der Anflug in den Morgenstunden erheblich nach.

Witterung
Das Ergebnis jedes Lichtfanges wird durch die jeweiligen Witterungsverhältnisse beeinflusst. Der immer wieder vorgenommene Versuch, zwischen Auflugdichte und Wetter eine wiederkehrende, stets zutreffende Beziehung, also eine Regel, aufzustellen, ist bisher nicht gelungen, da zu oft unerklärbare Ausnahmen eintreten. Anfänglich hoffnungslos erscheinende Abende (Halbmond, kühler Wind) ergaben gelegentlich gute Resultate, und andererseits flogen einige Male in dunklen, warmen und windstillen Nächten nur ganz wenige Schmetterlinge zur Lampe.

Im allgemeinen ergeben sich folgende Einwirkungen auf das Resultat:

Sehr günstig mondlos, bedeckt, schwül (hohe Luftfeuchtigkeit und Wärme), windstill. Wetterleuchten, fallender Barometerstand (zu erwartender Wetterumschlag)
günstig mondlos, halb bedeckt bis unbedeckt, warm, windstill
ungünstig zu- oder abnehmender Mond bis zur halben Sichel, unbedeckt, warm bis frisch, leichter Wind
aussichtslos Vollmond, klar, kühl (unter 10 °C), frischer Wind oder Böen

Erfahrungsgemäß beeinflussen Mond und Wind den Lichtfang ausschlaggebend, während die anderen Faktoren recht unterschiedlich wirken können.

Hervorragende Resultate ergeben sich manchmal bei leichtem Sprüh- oder Landregen. Wer Gelegenheit besitzt, die Lampe unter ein schützendes Dach zu stellen, nutze solche Abende. Nicht minder günstig sind die Stunden nach nicht zu schweren Gewittern unter der Voraussetzung, dass keine starke Abkühlung eingetreten ist. In und nach Perioden langer Trockenheit ist der Anflug zumeist mäßig oder schlecht.

Allgemeine Anmerkungen
Wer außerhalb seines Wohngebietes Lichtfang betreibt, bedenke, dass dieses Tun den meisten Menschen unbekannt und oft unverständlich ist und manchmal Misstrauen erwecken wird. Es empfiehlt sich, dort, wo es notwendig oder zweckdienlich erscheint, das nächste Forstamt, den Gemeindevorstand oder eine andere Stelle von dem Vorhaben in Kenntnis zu setzen. In den manchen Fällen wird man sich nicht mit Duldung begnügen müssen, sondern Interesse und Unterstützung finden.