Abwehrsysteme der Schmetterlinge

Die grundlegende Verteidigungsstrategie der Schmetterlinge besteht in der Flucht, wenn Gefahr droht, da viele Arten sehr schnell fliegen und somit geschickt ausweichen können. Einige Arten lassen sich auch zu Boden fallen und schlüpfen in ein versteck, was besonders wirkungsvoll gegen Angriffe von Vögel ist.

Tarnung

Damit die Schmetterlinge erst gar nicht in die Gefahr geraten, flüchten zu müssen, verwenden sehr viele Arten das Prinzip der Tarnung indem sie sich der Umgebung anpassen. Dies gilt sowohl für die Raupe wie auch die Falter, deren Farben an die übliche Umgebung angepasst sind. Viele Nachtfalter besitzen Flügelmuster, die mit der Baumrinde der Stämme, auf denen sie ruhen, übereinstimmen. Sie verschmelzen so mit dem Hintergrund und sind von Fressfeinden nur sehr schwer zu erkennen.

Viele Schmetterlingen tarnen sich auch durch Nachahmung toter Gegenstände wobei neben der Farbe insbesondere die Flügelform eine Rolle spielt. Ein bekanntes Beispiel ist das Weiße-C, dessen Flügelkanten gezackt sind, so dass der Falter beim Ruhen mit herabhängenden Flügeln wie ein vertrocknetes Blatt aussieht. Manche tropische Arten besitzen darüber hinaus fensterartige Flecken auf den Flügeln, die aus der Ferne betrachtet an Löcher in absterbenden Blättern erinnern. Der Indische Blattfalter imitiert dazu sogar das Blattgeäder, um noch perfekter mit der Umwelt zu verschmelzen.

Dieser Form der Tarnung gleicht auch der als Vogelmistmimikry bezeichnete Effekt, bei dem Falter oder Raupen bzw. Puppen durch Flügelzeichnung und durch die Farbe der Flügel ein dem Vogelmist ähnliches Aussehen annehmen.

Giftige Haare

Einige Schmetterlingsarten besitzen als Raupe giftige Haare, die teilweise auch mit Widerhaken versehen sind. Manche Raupen haben auch giftige Dornen ausgebildet.

Übelschmeckende Arten

Viele Schmetterlinge schützen sich durch üblen Geschmack oder durch Giftstoffe im Körper. Die Raupen einige Arten leben deshalb auch direkt an Pflanzen, die Giftstoffe enthalten, die für die Raupe nicht gefährlich sind. Die Raupen speichern dann diese Giftstoffe und werden deshalb von Räubern nicht angegriffen. Andere Arten wie Zygaenen oder Blutströpfchen erzeugen ihre Giftstoffe selbst.

Ein typisches Merkmal ist allen ungenießbaren Arten gemein: sie besitzen eine deutliche Farbzeichnung, meist aus roten oder gelben Streifen im Kontrast zu weiß oder schwarz. Diese Warnfarbe zeigt Angreifern unmittelbar an, dass die Art ungenießbar ist. Verstärkt wird dieser Effekt durch das Zusammenleben in Gruppen, wodurch die abschreckende Wirkung der Warnfarben verstärkt wird.

Mimikry

Manche Arten, die weder giftig noch ungenießbar sind, imitieren die Farbmuster der geschützten Arten und erreichen somit den nahezu gleichen Schutz.

Schreckfärbung

Einen sehr wirksamem Schutz bildet die Schreckfärbung mancher Arten. Diese wird dadurch erreicht, dass Vorder- und Hinterflügel unterschiedliche Färbungen besitzen. In der Ruhestellung zeigen die Falter dann die unauffälligen Farben, mit denen sie versuchen, sich der Umgebung anzupassen. Nähert sich ein Feind, zeigen sie die grell gefärbten Flügel, was Angreifer erst einmal erschreckt und dem Falter so die Möglichkeit zur Flucht eröffnet. Ein typisches Beispiel dafür ist das Rote Ordensband, das mit seinen braunen Vorderflügeln die leuchtend roten Hinterflügel verdeckt. Wird der Falter gestört, zieht er seine unscheinbaren Vorderflügel nach vor und die roten Hinterflügel werden sichtbar.

Augenflecken

Ähnlich der Schreckfärbung dienen auch die Augenflecken vieler Arten der Abschreckung bzw. Verwirrung von Angreifer. Speziell letzteres erreichen die Schmetterlinge dadurch, dass die Augenflecken den Angreifer von den wichtigen Körperteilen ablenken sollen. Die Augenflecken befinden sich daher meist an den Rändern der Flügel, wo Angriffe keinen so großen Schaden anrichten können.

Geräusche

Einige Puppen können eine Art zirpender Geräusche erzeugen, die Angreifer verwirren und abschrecken sollen. Bärenspinner gehen noch weiter. Sie können Geräusche im Ultraschallbereich erzeugen, die für Fledermäusen hörbar sind und diesen die Ungenießbarkeit der Art signalisieren sollen. Einen besonders interessanten Auftritt liefert der Totenkopfschwärmer, der ebenfalls zirpende Geräusche erzeugt, die mit dem Weiselgesang übereinstimmen, mit dem junge Bienenköniginnen die anderen Bienen im Stock beruhigen, bevor sie aus den Zellen schlüpfen. Auf diese Weise kann der Totenkopfschwärmer in einen Bienenstock eindringen und seine Hauptnahrung Honig stehlen.